Until September im Interview

0

Wir hatten kürzlich die Gelegenheit uns mit Maik von Until September aus Kleve zu unterhalten. Die Jungs standen unter anderen schon mit The Green River Burial und Cyrus auf der Bühne. Wie es nach einer gelungenen EP weitergeht erfahrt ihr im Interview. Viel Spaß!

Hey Until September, stellt euch doch kurz vor: Wer spielt welches Instrument, welche Hobbys habt ihr, wo kommt ihr her und was macht ihr neben der Musik?

Halli Hallo! Until September sind Christopher (Vocals), Boris (Gitarre), Kilian (Gitarre), Jojo (Bass), Thorsten (Drums) und meine Wenigkeit, Maik (Vocals). Unter uns gibt es sowohl Studenten als auch arbeitende Menschen, die momentan in Köln und im Großraum Kleve wohnen. Hobbys, da sind wir eigentlich alle recht aktiv. Boris hat z.B. ein kleines Tonstudio aufgezogen, Christopher ist (gefühlt) täglich im Kino und schreibt drüber, ich bin mit Klamotten-Label und Blog relativ gut ausgelastet und der Rest vertreibt sich die Zeit auch gerne mal mit Konzerten und Videospielen – Dinge, die Mitte 20er eben so treiben!

Seit fünf Jahren steht ihr nun gemeinsam auf der Bühne. Erinnert ihr euch noch an eure Entstehung? Wie kam es dazu?

Ach na klar. Wenn man so überlegt, dann sind fünf Jahre tatsächlich eine recht lange Zeit für eine „lokale Band“. Aber an die Anfänge erinnern wir uns recht oft und ich denke auch gerne. Wir hatten damals eine „Garagen-Band“, die wir irgendwann zu Grabe getragen hatten, weil wir sowohl keinen Proberaum mehr hatten, als auch nicht unbedingt wussten, in welche Richtung es musikalisch gehen sollte. Zur Neugründung stießen damals Christopher und Jos dazu, und nur wenige Monate später waren wir dann auch schon bei Daniel und Pascal von Eskimo Callboy im Studio, um unsere Debüt-EP „My Last Seconds“ aufzunehmen.

Was zeichnet euch aus? Was ist an euch besser oder anders als bei anderen Bands?

Ich glaube,  Musiker und Bands sollten es sich nicht anmaßen zu urteilen, warum sie sich gerade in dem und dem Punkt von anderen Bands abheben, weil dies in den allermeisten Fällen abgehoben und arrogant ist oder zumindest so wirkt.

Wir sind eigentlich nur 6 Freunde, die die Leidenschaft zur Musik teilen und deswegen ziemlich viel Zeit miteinander verbringen. Wenn uns aber etwas als Band oder auch Gemeinschaft ausmacht, dann sind das die Erfahrungen, die wir zusammen gemacht haben, diese vielen Ups and Downs, die man eben auch als kleine Band hat und die einen zusammenschweißen.

Wie schafft man es als Band nach fünf Jahren noch gemeinsam auf der Bühne zu stehen? Viele Künstler trennen sich ja, da sie sich andere Prioritäten setzten.

Es ist schwierig zu sagen, warum es gerade bei uns so gut läuft. Wir haben in der Zeit mit so vielen wirklich großartigen und talentierten Bands die Bühne geteilt, wovon mittlerweile ein großer Teil nicht mehr existiert. Ich glaube, dass die Gründe dafür, dass bei vielen Bands nach 3-4 Jahren Schluss ist, vielschichtig sind.

Einige setzen sich selber zu hohe Ziele und Erwartungen, die sie oftmals kaum in kurzer Zeit erreichen können. Viele nehmen ein paar Songs auf, spielen ihre ersten Shows und glauben dann, dass sie im Jahr darauf schon auf sämtliche Festivals des Landes auftreten werden. Diese Illusion hatte ich am Anfang auch und habe mich dann gefragt, warum uns keiner so toll findet, wie wir es uns vielleicht gewünscht hatten damals. Das Problem ist aber die unheimlich große Konkurrenz, der du ausgesetzt bist, wenn du dich für eine XYZ-Core-Band entscheidest. Ich weiß aus eigener Erfahrung wie groß der Run ist, wenn es sich herumspricht, dass man etwas organisiert.

Wenn man dann als Band eine Durststrecke hat und auf der Stelle zu treten scheint, kommt es dann intern zum Streit und schnell gehen Bands dann kaputt, weil sie nicht verstehen, dass einem im Leben wirklich nichts geschenkt wird, auch nicht in der Musik. Du musst viel Geld investieren – nicht um dich irgendwo einzukaufen, sondern um Songs in einer vernünftigen Qualität präsentieren zu können, um gute Photographen zu bezahlen, um Musikvideos zu drehen oder cooles Merchandising produzieren zu lassen. Du musst kreativ sein, hungrig, um dich in dein Projekt festzubeißen und vor allem geduldig, denn nur selten wird man auf Anhieb landesweit bekannt.

Natürlich ist dies nicht die Master-Formel, aber zumindest hat es bei uns bewirkt, dass wir eine ganze Menge richtig toller Shows spielen und  viele wunderbare Menschen treffen konnten. Ich glaube, dass wenn man mit einer einigermaßen positiven Einstellung unterwegs ist, auch lange zusammen bleiben kann – vorausgesetzt das Leben lässt es zu, denn machen wir uns nichts vor: irgendwann kommt bei den allermeisten der Punkt, wo man sich entscheiden muss, ob man seine Wochenenden im Auto und auf der Bühne oder bei seiner Freundin/ Familie/ Arbeit/ Katze verbringen will. Für letzteres bin ich persönlich noch lange nicht bereit.

In der Zeit ist natürlich viel passiert. Was sind eure Highlights bisher?

Ich kann gerade natürlich nur für mich sprechen, aber zu meinen Highlights zählen natürlich die vielen Festivals, die wir schon spielen konnten oder auch der Deal mit Acuity.Music letztes Jahr. Wenn du es einmal schaffst in den Fokus von solchen Menschen zu geraten, dann wird dir endlich bewusst, dass dein Kram scheinbar doch Potential hat. Die vielleicht beste Club-Show war im April bei der Release-Show der neuen Platte von Breakdowns At Tiffany’s im Magnapop Krefeld. Da war einfach alles dabei, was man sich als Band in dem Genre wünscht: volles Haus und dabei Stagedives, Sing-A-Longs, Circle Pits und ganz viel Schweiß. Das war einfach der Wahnsinn!
Im Sommer war da noch das ausverkaufte Rock am Dick Festival (1000 Besucher), was für uns eine riesige Sache war, da wir nicht nur zum ersten Mal vor so vielen Leuten aufgetreten waren, sondern weil wir da auch die Chance nutzen konnten, einige Menschen auf uns aufmerksam zu machen! Ich könnte noch so viel aufzählen, denn ich denke, wir können bisher sehr zufrieden mit dem sein, was wir bisher erreicht haben!

Ihr habt sicher auch einige Tiefpunkte miterlebt, oder? Wollt ihr uns vielleicht davon erzählen?

Den sicherlich größten Tiefpunkt hatten wir Ende 2013, als wir uns dazu entschieden hatten getrennte Wege mit unserem damaligen Gitarristen Jos zu gehen. Die immer häufiger auftretenden Meinungsverschiedenheiten und die zu weit auseinander driftenden Ansichten zu eigentlich fast jedem Thema, waren ein Grund dafür, dass innerhalb der Band eine gewisse Lähmung stattfand, weil man immer mehr versuchte so zu handeln, dass keine neuen Diskussionen aufkamen. In der Folge war es natürlich auch schwierig eine halbwegs kreative Atmosphäre aufrechtzuerhalten und der einzig logische Schritt – zum Wohle der Band – war es, getrennte Wege zu gehen, was im Rückblick auch eine sehr gute Entscheidung war, da die ganze Sache eigentlich jedem den Spaß an der Musik nahm.

Was plant ihr für die Zukunft? Wird es nach der EP auch endlich ein Album geben?

Wir sind sehr fleißig dabei neue Sachen zu schreiben und es steht sogar schon eine Hand voll Songs, die nur noch auf einen Text warten, wo wir Sänger jetzt gefordert sind. Das, was bislang schon als Demo vorhanden ist, kann sich wirklich sehen bzw. hören lassen, aber ich glaube, dass wir noch sehr viel mehr zusammen bekommen, wenn ich daran denke, was Boris und Kilian mittlerweile im Wochentakt an Ideen zur Probe mitbringen. Diesmal werden wir uns aber nicht künstlich unter Druck setzen, da wir damit bei den Aufnahmen der letzten EP nicht wirklich gut gefahren sind. Das heißt natürlich nicht, dass wir nicht selber heiß darauf sind, endlich neuen Kram präsentieren zu können, weil natürlich auch wir merken, dass die Leute langsam ungeduldig werden!

Was sind eure Ziele? Welches Festival wollt ihr noch rocken?

Mein persönliches Ziel war es immer auf dem Horst-Festival in Mönchengladbach zu spielen, aber leider wird es das Ding nicht mehr geben. Alle anderen Mini-Ziele, die wir uns so gesetzt haben, konnten wir schon erreichen und ich denke, dass es langsam an der Zeit ist, mal ein wenig auf Tour zu gehen. Fünf Jahre Band sein ist schön und gut, aber ich denke, solange man nicht auf Tour war, hat man noch nichts erlebt.

In Sachen Festivals würden uns natürlich z.B. das Mair1, das Jera on Air in Holland oder das Traffic Jam Open Air reizen. Wer weiß was uns die neuen Songs so für Möglichkeiten eröffnen!

Wollt ihr den Lesern noch etwas sagen?

Ach nein, eigentlich bin ich sogar vielmehr daran interessiert, was die Leute zu sagen haben. Also hört euch unsere Sachen an, kommt zu den Shows, wenn wir in der Nähe sind und sprecht uns bloß an. Sagt uns, was euch gefallen hat und was nicht! Facebook usw. ist ganz nett, aber es gibt kaum was schöneres als sich mit Menschen über Musik auszutauschen, vor allem wenn man erfahren kann, wie man selber auf andere wirkt!

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

Share.

About Author

Florian Hilger

Gründer und Chefredakteur des Magazins. Außerdem zuständig für diverse Konzertreihen (u.a. Shout loud Neuwied, Loud!Fest...). Ansprechpartner für Kooperationen etc..

Comments are closed.