Review: White Lies – Five

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Das derzeit in allen popkulturellen Sparten omnipräsente 80er-Revival ließen die White Lies bereits vor zehn Jahren mit ihrem grandiosen Debüt To Lose My Life aufkeimen. Eine Dekade später veröffentlicht das Londoner Trio sein fünftes Album Five und knüpft damit an altbewährte Rezepturen an.

Diese wurden jedoch noch nie so konsequent zu Ende gedacht wie auf Five: Die White Lies präsentieren ein gewaltiges und dennoch detailliert ausgestaltetes Soundgewand aus elektronischen Klängen, dröhnenden Gitarren und Basslines, umrahmt von der unverwechselbaren, erhabenen Stimmfarbe des Hauptvokalisten Harry McVeigh. Dabei sind alle Elemente stets wohldosiert eingesetzt, sodass der Sound zwar üppig, aber nicht überladen daherkommt.
Der erste Titel des Albums, Time To Give, beginnt ungefähr dort, wo das Vorgängeralbum Friends 2016 aufhörte. Charles Caves Bassgewalt trifft auf eine überschäumende Synthie-Melodie, die sich mühelos im Kopf festsetzt. Die ikonische New Wave/Post-Punk/Indie-Mélange der Briten lässt sich immer noch treffend mit „dark, but uplifting“ beschreiben, hält auf Five aber eindeutig mehr beschwingte 80er-Melodien als düsteren Post-Punk bereit. Trotzdem: Der elegische Opener, der sich in fast 8 Minuten langsam aufbaut, würde locker zum Soundtrack der neuen Verfilmung des Stephen King-Klassikers Es taugen.

Derweil macht Kick Me mit seinen eindringlichen Synthies dem Intro von Stranger Things Konkurrenz. Erneut reiben sich Keyboards und Gitarre aneinander und gipfeln in einem atmosphärischen, melancholischen Song, der von einem Klaviersolo abgerundet wird. Neben solch sanften Tönen findet Five aber auch wieder mehr Platz für die Saiteninstrumente: In Jo beispielsweise liefern sich gellende Gitarrenriffs einen Kampf mit dem Elektronischen. Dieses erweist sich jedoch hervorragend als tragendes Hintergrundelement, um einen atemlosen, dichten Sound zu schaffen.
Der zuvor geäußerten Kritik an ihren Lyrics, welche sich ausschließlich um die Themen „death“ und „love“ drehen und somit belanglos würden, begegnen die White Lies auf Five mit kryptischen Songzeilen, die mal persönlich, mal gesellschaftskritisch anmuten. Deutlicher zu fassen sind die Emotionen und Imaginationen, die beim Hören der Musik in einem selbst aufkommen. Zu Never Alone möchte man am liebsten in die Sneakers schlüpfen und sich auf sein altes Fahrrad setzen, um gedankenverloren durch die Vorstadt zu sausen.

Dieses Nostalgie-Konzept scheinen die White Lies nicht nur soundtechnisch, sondern auch bei der anderweitigen Vermarktung ihres Albums grundlegend zu verfolgen: So bedient sich das offizielle Video zur vorab veröffentlichten Single Tokyo unverblümt an einer 80er-Ästhetik, die einerseits an kitschige Musikvideos der Ära, zugleich aber auch an Blade Runner erinnert. Blitzlicht und Pastellfarben begleiten den massiven, unverschämt poppigen Refrain, während die Kamera verschiedene Bewohner*innen einer multikulturellen Metropole und deren verrohende Einsamkeit einfängt: „Get me Bangkok, get me Rome/ Where all the hope is hiding/ Just know that I’m numb and I’m alone/ So come back to me crying.“

Gitarren vs. Synthies, Post-Punk vs. Pop, düstere Zukunftsdystopie vs. naive 80’s-Nostalgie – In sämtlichen Facetten des Albums kommt die Essenz und das Erfolgsrezept der White Lies zum Ausdruck. Das Spiel mit scheinbar gegensätzlichen Dichotomien wird auf Five so konsequent weiterentwickelt, dass das Album durchaus, wie bereits durch die Bandmitglieder selbst geschehen, als Meilenstein bezeichnet werden kann.

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Label: PIAS
VÖ: 01.02.2019

Genre: New Wave, Post-Punk, Alternative Rock

Vergleichbar:
The Chameleons – What Does Anything Mean? Basically
Interpol – Turn On The Bright Lights

Wertung:
13/15

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Lisa Rölle

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