Review: Waxahatchee – Saint Cloud

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Lofi-Indie war gestern: 2020 ist hübsch arrangierter Americana der neue heiße Scheiß. Zumindest für Katie Crutchfield alias Waxahatchee und ihr fünftes Album Saint Cloud.

Mit diesem entfernt sich die US-Amerikanerin weiter von ihren Anfangstagen, als sie es bereits mit dem in Bandbesetzung eingespielten Vorgänger Out In The Storm (2017) getan hat. Nichts erinnert mehr an die Kargheit ihrer Frühwerke, an Dinosaur. Jr oder andere Indie-Gleichgesinnte. Stattdessen gibt es von Country und Folk angehauchte Americana-Songs, eingespielt mit ihrer Band und illustren Gästen wie Kevin Morby, The Nationals Aaron Dessner oder ihrer Zwillingsschwester Allison Crutchfield von der tollen Indierock-Band Swearin’. Herausgekommen ist eine Platte, die auf eine wohlige Art und Weise homogen klingt und die Stimme und Texte Crutchfields in den Vordergrund rückt.

Saint Cloud begibt sich inhaltlich auf eine intime Reise zu für sie wichtige Orte und Menschen, die sie liebt oder liebte. Die Songs führen von Barcelona über die Arkadelphia Road in Hanceville, Alabama, bis nach Tennessee. Ungefiltert und emotional erzählt sie von unerfüllter Sehnsucht, gescheiterten Beziehungen, von Selbstakzeptanz und dem Weg dahin. Davon singen viele, sie eben auch, und findet angenehme Worte für unangenehme Gefühle. Oder andersrum. „Love you till the day I die/ I guess it don’t matter why/ In my loneliness I’m locked in a room/ When you see me I’m honey on a spoon”, heißt es in Can’t Do Much, „And if my bones are made of delicate sugar/ I won’t end up anywhere good without you” in Lilacs.

An vielen Stellen schleicht sich eine vorher nicht da gewesene Hoffnung in die Texte, Crutchfield klingt liebevoller und weniger rücksichtslos – sich selbst und anderen gegenüber. Nachzuhören im an sie selbst adressierten Liebeslied Fire: „I take it for granted/ If I could love you conditionally/ I could iron out the edges of the darkest sky“. Gelangt die Zuversicht wie in Arkadelphia nicht in den Text, schafft die Musik Ausgleich. Lilacs, mit dem schönsten Refrain der Platte ausgestattet, zaubert selbst denjenigen ein Lächeln aufs Gesicht, die sich nach dem Homerecording-Feeling des Debüts American Weekend zurücksehnen. The Eye erinnert in seiner Entspanntheit an Slacker-König Kurt Vile, der Opener Oxbow ist vertonte Aufbruchsstimmung.
Berührend wird es beim abschließenden Titeltrack, der den Minimalismus früherer Platten ins Jetzt transportiert, Abschied nimmt und Licht in der Dunkelheit findet: „If the dead just go on living/ Well there’s nothing left to fear“. Bleibt gesund!

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Label: Merge/Cargo
VÖ: 27.03.2020

Genre: Americana, Folk, Indie

Vergleichbar:
Hop Along – Bark Your Head Off, Dog
Laura Stevenson – The Big Freeze

Wertung:
11/15

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