Review: Trixsi – Frau Gott

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Schmissiger Proberaum-Indie-Punk von einer Band, die man getrost als Deutschpunk-Supergroup bezeichnen könnte, würde es nicht so albern klingen.

Trixsi – das sind Schlagzeuger Paul Konopacka, Gitarrist König Wilhelmsburg (beide Herrenmagazin), der ehemalige Findus-Gitarrist Kristian Kühl, Ex-Jupiter-Jones-Bassist Klaus Hoffmann sowie Love A- und Schreng-Schreng & La-La-Sänger Jörkk Mechenbier. Gut zu wissen, hilft bei der Einordnung des Sounds ihres Debüts aber nur bedingt. Anstatt sich an ihren Hauptbands zu orientieren, schielen die elf Songs auf Frau Gott eher ins England der frühen 2000er oder in Richtung US-amerikanischer Indie-Helden wie Sebadoh und Built To Spill. Autobahn erinnert an Maximo Park zu A Certain Trigger-Zeiten – auch wenn sich anstatt dem Charmeur Paul Smith, ein herrlich theatralischer Jörkk Mechenbier durch den Song wütet und kreischt, ob der Dummheit seiner Mitmenschen, den „Wichsern auf der Autobahn“, den Verstand verlierend. Okay, in solchen Momenten klingen Trixsi schon nach Love A. Das liegt neben der charakteristischen Stimme  auch an den Verzweiflungs-Texten, die sich an der Idiotie des (menschlichen) Lebens abarbeiten, und Humor als heiliges Mittel nutzen, um doch irgendwie klarzukommen.

Trixsi wissen, dass früher nicht alles besser war,  und sie wissen auch, dass nichts mehr besser wird. Die Welt steht vor dem Abgrund, die kleine eigene sowie die aller Menschen. Das starke Wannabe liefert eine niederschmetternde Bestandsaufnahme der Bundesrepublik, Ab Morgen (samt Nick-Cave-Referenz) erinnert an die eigenen Unzulänglichkeiten und die Sinnlosigkeit von Verbesserungsversprechen, Frau Gott träumt von derselbigen, die schwarz, und lesbisch ist, und müde von all dem Scheiß. Ach ja, Gefühle gibt’s auch noch: Jana Lüttich paart Romantik mit Resignation und „Ich bin lieber todkrank, aber glücklich mit dir“ aus Trauma schnürt einen Kloß ums Herz. Für diejenigen, denen das zu feuilletonistisch ist, zu wenig Dosenbier, zu wenig Lederjacke, zu wenig Wizo, hält der Iro City Express was er verspricht, kommt in 80 Sekunden ins Ziel und beschließt eine Platte, die vor allem durch ihre Schrullig- und Eingängigkeit begeistert. Und grandioser beziehungsweise abstruser als in 7 oder 9 wird es dieses Jahr in deutschsprachiger Musik auch nicht mehr: „Krieg gab es nur in Opas Storys/ Und vor der Sandburg mit Kai/ König Hamster war der Kanzler, den ich wählte/ Denn der war cool/ Und nie gemein.“

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Label: Glitterhouse
VÖ: 26.06.2020

Genre: Indierock, Punkrock

Vergleichbar:
Trümmer – Trümmer
Guided by Voices – Alien Lanes

Wertung:
12/15

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