Review: Tim Vantol – Better Days

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Holzfällerhemdenärmel hochgekrempelt: Sieht man die Schönheit vor lauter Dämonen nicht, müssen die Dämonen eben dran glauben. Tim Vantol schmeißt die Hoffnungsmaschine an und stellt Better Days in Aussicht.

Seit 2009 veröffentlicht der Niederländer gemeinsam mit seinen drei Mitmusikern Alben, die sich dazu eignen, die Wartezeit auf neue Songs von Chuck Ragan, Brian Fallon, Jeff Rowe, oder irgendeinem anderen Raubeinen mit Punk-Vergangenheit und dem Herzen am rechten Fleck, zu überbrücken. Anpack-Musik, die das Gefühl vermittelt, alles ist gut und falls nicht, stehen wir das gemeinsam durch: If We Go Down, We Will Go Together! Also Musik für Menschen, die glauben, dass sich Lieben und Arbeiten lohnt. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere zeigt einen Musiker, der abseits der Bühne mit Depression und Ängsten zu kämpfen hat, alleine. Better Days ist anzuhören, dass hinter Vantol schwere Zeiten liegen, das Wichtige daran, sie gehören der Vergangenheit an. Aus jeder Pore seiner vierten Platte tropft Zuversicht, und er verteilt Mut an alle, die welchen gebrauchen können. Dass die Botschaften der Songs sich in ihrer Aussagekraft nicht von Kalendersprüchen unterscheiden, geschenkt. Tell Them plädiert für Liebesgeständnisse, Not Today erinnert daran, dass morgen auch noch ein Tag ist, und It’s Gonna Hurt holt Nietzsche aus dem Grab: „What doesn’t kill you/ Will make you stronger.“ Das Leben kann so einfach sein.

„Ich war am Arsch und jetzt erzähle ich den Leuten, wie es ihnen gut gehen soll? Ist das heuchlerisch?“ Nein, ist es nicht. Zudem nimmt man Vantol den Optimismus ab, er wirkt nie so, als wolle er Scheiße als Gold verkaufen. Gleiches prangert er humorvoll in der ersten Album-Single 5 Inch Screen an, dessen stampfender Folk-Rock-Sound auch Frank Turner glücklich machen würde, der an vielen Stellen als Inspirationsquelle durchscheint. Gegen dessen Karriereweg vom Lagerfeuer in die großen Hallen hätte auch Vantol nichts einzuwenden, mit der Qualität des Briten mithalten kann er aber noch nicht. Dafür klingen Songs wie das bemühte You Will Never zu sehr nach Fußballstadion und Malen nach Zahlen. Besonders in den ruhigen Momenten wie dem abschließenden It’s Gonna Hurt fehlt die Intensität, die Zerrissenheit, die auf seinem Debüt Road Sweet Road (2009) Songs wie Broken Mirror innewohnt.

Kann Better Days, besonders auf musikalischer Ebene, nicht vollends überzeugen, besitzt das Album allein in seiner Funktion als Mutmacher Existenzberechtigung, wovon es im Moment und generell nicht genug geben kann. Ein Album, das einen daran erinnert, dass schlechte Zeiten lediglich der Wartesaal für bessere sind. „In zwei Depressionen habe ich gelernt zu verzeihen/ Wo die Verwundeten wohnen/ Dort will ich sein“, singt Gisbert zu Knyphausen, „May we brave enough to face all our deepest shames“ heißt es bei Tim Vantol. Also: Seid lieb zu euch und zueinander.

Tim Vantol - Better Days Cover

Label: Uncle M/ Cargo/ Eminor Seven
VÖ: 22.05.2020

Genre: Heartland Rock, Folk, Punkrock

Vergleichbar:
Frank Turner – Positive Songs For Negative People
Dave Hause – Kick!

Wertung:
8/15

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