Review: Thrice – Palms

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Thrice überreichen sich zum 20-jährigen Jubiläum das größte Geschenk selbst: “Palms“ umfasst die Stile aller vorherigen neun Alben und kulminiert die Virtuosität der Post-Hardcore-Veteranen.

Es scheint, als hätte es die Band- und die damit verbundene Albumpause nie gegeben. Vor dem vorübergehenden Stillstand von Thrice ab 2011 veröffentlichte das Quartett, das seit der Gründung 1998 in derselben Besetzung zusammenspielt, mindestens im Zwei-Jahres-Takt gute, sehr gute und Alben für die Ewigkeit. Zu letzteren gehört auch “To Be Everywhere Is To Be Nowhere“, das 2016 die Rückkehr der Band markierte und diese in Alternative-Rock-Fahrwasser geleitete, was nun wieder zwei Jahre später auf “Palms“ ausformuliert scheint. Zwar gibt es mit den energetischen “A Branch In The River“ und “Hold Up A Light“ auch zwei Songs, die sich nahtlos in die frühen Meisterwerke “The Artist In The Ambulance“ (2003) sowie “Vheissu“ (2005) einflechten könnten, insgesamt ist “Palms“ aber das bislang ruhigste Thrice-Album nach dem konzeptionellen zweiten Teil von “The Alchemy Index“.

“Palms“ beginnt zudem wie bislang kein anderes Album der Kalifornier: elektronisch. “Only Us“ erinnert mit seinem pulsierenden Synthesizer an den Soundtrack der Netflix-Serie “Stranger Things“ und mausert sich mit Pauken, erhabenem Gesang von Dustin Kensrue und einem großen Refrain zu einem epischen Alternative-Rock-Stück. Als solches ist auch “The Grey“ zu kategorisieren: Gitarrist Teppei Teranishi beweist in dem hymnischen Track mit lässig-groovigem Picking, warum er zu den weltbesten Gitarristen gehört, während sich der Refrain so richtig in die Gehörgänge frisst. Für “The Dark“ haben sich Thrice von tausenden Fans Gesangsspuren schicken lassen, wofür diese ,,No we’re not gonna sit in the dark anymore“ eingesungen haben. Der fertig zusammengebastelte Song startet erneut mit Pauken, landet über eine Orgel im Pre-Chorus bei elektronischen Soundlandschaften im Refrain und wird spätestens wenn der Fan-Chor am Ende einsetzt, zu einer wichtigen Botschaft gegen Depressionen.

In “Just Breathe“ beweist Kensrue seine stimmliche Vielfalt und singt mit Singer/Songwriterin Emma Ruth Rundle ein traumhaftes Duett, während im Hintergrund die Gitarren dagegen rebellieren und in der Bridge kurz die Oberhand gewinnen, bevor der Song als A-cappella-Nummer endet. Die Pianoballade “Everything Belongs“ gibt sich etwas zu bedeutungsschwanger und geht schon fast als Powerballade durch, bekommt aber vom folgenden “My Soul“ gezeigt, wie sich die richtige Atmosphäre entfalten lässt. Mit seiner bedachten Instrumentierung erinnert der Song an Coldplay, als die noch gut waren. Gerade als man sich fragt, was Thrice auf ihrem zehnten Album noch anpacken wollen, gleitet “Blood On Blood“ mit einer Harfe in verträumtes Gefilde. Dieses ist auch Ausgangsort für das finale “Beyond The Pines“, welches “Palms“ ruhig und sehnsüchtig beschließt. Thrice haben sich zum runden Geburtstag das etwas andere Best-of gebastelt. Was für eine Band.

Thrice-Palms-Albumcover

Label: Epitaph
VÖ: 14.09.2018

Genre: Alternative Rock, Post-Hardcore

Vergleichbar:
Biffy Clyro – “Opposites“
Coldplay – “X & Y“

Wertung: 12/15

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Jonathan Schütz

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