Review: Spanish Love Songs – Brave Faces Everyone

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Nach dem Szene-Erfolgsalbum Schmaltz inszenieren Spanish Love Songs ihren Emopunk auf ihrem dritten Album Brave Faces Everyone deutlich gemäßigter.

Eine Woche bevor Brave Faces Everyone erscheint, postet das Quintett aus Los Angeles auf Instagram eine Liste von Hilfsorganisationen, die bei Problemen mit den in den zehn Songs angesprochenen Themen weiterhelfen können und die Songs und Songtexte wahrscheinlich zu einem Teil inspiriert haben, neben den Dingen, die sich Frontmann Dylan Slocum erneut von der Seele geschrieben hat. Neben Organisationen wie der National Alliance On Mental Illness oder dem Violence Policy Center ist als letzter Bezugspunkt Politiker Bernie Sanders genannt. Das zeigt, was für eine Last es sein kann, unter einem rassistischen und sexistischen Präsidenten wie Donald Trump zu leben, der sämtliche Werte, für die sich Bands wie Spanish Love Songs einsetzen, mit Füßen tritt.

„On any given day I’m a 6/10/ Bed to desk to bar – eyes on the floor/ Still apologizing for the way I’ve been/ Each breath more full of shit than the one before” heißen die ersten Worte des Openers Routine Pain, der von vorne bis hinten sinnbildlich für die Melancholie in den Texten von Spanish Love Songs steht. Von Hoffnung fehlt jede Spur und dennoch mündet die erste Hälfte des Songs in einem hochmelodischen und feierlichen Refrain, der so eingängig ist, dass er trotz seiner Einmaligkeit im Kopf bleibt. Die folgenden Songs verdeutlichen, dass Spanish Love Songs seit der Veröffentlichung von Schmaltz gereift sind und die Band die Katharsis auch in Midtempo-Alternative-Rock finden kann.

Die Single Kick sticht mit ihrem explosiven Refrain ebenso heraus wie das folgende Beach Front Property, dessen Text sich wie die assoziierten Organisationen mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzt, während der Song zwischen melancholischem Midtempo-Rock und aufbrausenden Emo-Refrains changiert. Optimism experimentiert hingegen mit Americana-Elementen. Im ebenfalls vorab veröffentlichten Losers schraubt sich gen Ende die Gitarre feierlich in die Höhe, während Slocum die Zeilen „We’re mediocre/ We’re losers/ Forever“ singt. Darin schwingt natürlich auch die Form der Selbstakzeptanz mit und spätestens im finalen Titeltrack kehrt trotz all der Beschissenheit auch die Hoffnung in die Lyrics zurück: „We don’t have to fix everything at once/ We were never broken/ Life’s just very long/ Brave faces everyone.“

Nach dem ich-orientierten Ansatz von Schmaltz dreht sich die Welt von Spanish Love Songs zwei Jahre später nicht mehr ausschließlich um die Gedankenwelt von ihrem Frontmann, stattdessen gibt es Hymnen zu Themen wie Gleichberechtigung und Emigration, Kritik an Waffengewalt und dem Leugnen der Klimakatastrophe. Spanish Love Songs sind wie der eine gute Freund, der erwachsen geworden ist und sich nicht mehr allein mit sich selbst beschäftigt, sondern anderen notbedürftigen Menschen die Hände zur Rettung hinhält.

Brave Faces Everyone

Label: Pure Noise Records
VÖ: 07.02.2020

Genre: Emo, Alternative Rock, Punkrock

Vergleichbar:
Off With Their Heads – Be Good
Pup – Morbid Stuff

Wertung:
11/15

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Jonathan Schütz

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