Review: Smile And Burn – Morgen Anders

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In Berlin viel Neues: Aus fünf wird drei, aus Englisch wird Deutsch und aus den ewigen Beatsteaks-Nachfolgern werden die nächsten Donots.

Seit Get Better Get Worse von 2017 hat sich viel getan bei Smile And Burn: Mit Bassist Christoph Brauer und Gitarrist Sascha Nicke haben zwei Bandmitglieder und Songschreiber die Band verlassen und so stehen Sänger Philipp Müller, der jetzt auch Gitarre spielt, Gitarrist Sören Frey und Schlagzeuger Fabian Wollert auf einmal zu Dritt da. Mitte Juli kündigen sie mit dem Arschtritt-Song Zubetoniert ihr fünftes Album Morgen Anders an und machen deutlich: Es geht weiter und zwar kein bisschen ruhiger als bisher.

Auch wenn sich intern viel getan hat, bleiben Smile And Burn sich und ihrem mal melancholischen, mal rüpeligen Punkrock-Sound treu. Morgen Anders knüpft beim Vorgänger Get Better Get Worse an, Leben lang und der Titeltrack orientieren sich an Midtempo-Songs wie All Be Okay oder Good Enough. Weinschorle, der mit 1:53 Minuten kürzeste Track der Platte, und Zubetoniert betonen die raue Seite der Medaille. Erster erinnert mit seiner musikalischen Zerstörungswut an das nur unwesentlich längere Kaputt vom ersten deutschsprachigen Donots-Album Karacho, mit dem die Ibbenbürener gezeigt haben, wie würdevoll und relevant der Wechsel von englischen zu deutschen Texten gelingen kann. Auch wenn die Platte in deren Heavy Kranich Studios in Münster aufgenommen wurde, hätte dies laut Gitarrist Frey keinen Einfluss auf die Texte gehabt.

Dem Versuch auf Deutsch zu texten wohnt die Gefahr inne auf Phrasen, Allgemeinplätze und Kalendersprüche zurückzugreifen. Das schwerfällige Nicht da („Du sagst sei einfach hier/ doch hier ist kein Platz dafür/ und war niemals da/ und schalt die Welt aus/ und dann/ bin ich vielleicht da“) zeigt zwar, dass sich Smile And Burn lyrisch nicht seit jeher im Deutschen Zuhause fühlen, alles in allem bleibt das Poesiealbum aber geschlossen und der Sprachwechsel kann als gelungen bezeichnet werden.

Die Themen auf Morgen Anders sind dieselben, die die Band seit ihrer Gründung umtreiben. Es geht um die vom Selbstoptimierungswahn getriebene Selfiegesellschaft (Zünd mich an), um Scheitern als Stärke (Mit allem Falsch) und immer wieder um Entfremdung, um das Nicht-Perfekt-Sein in einer Welt, in der es scheinbar immer besser, schneller, weiter gehen muss, das Loch in der Rüstung, der Fleck auf der weißen Weste als No-Go propagiert wird, und „Wer bekommt das schon hin/ den Zweifel zu lieben/ sich Ängsten zu beugen/ mutig und laut/ den Kopf ganz weit oben/ ohne Panik zu kriegen“ (Morgen Anders), auf die wenigsten zutrifft. Bei allem Nachdenken, Hadern und Zweifeln an sich und der Welt stecken Smile And Burn den Kopf nicht in den Sand, wie die letzte Zeile des abschließenden Fühlt sich das nach Ende an verdeutlicht: „Der letzte, der steht bin Ich“.

Fühlt sich das nach Ende an, Aussage und Frage zugleich, geeignet um eine scheidende Beziehung, die Weltlage oder den Zustand der Band zu beschreiben. Zumindest letzteres kann nach Morgen Anders mit einem klaren Nein beantwortet werden.

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Label: OMN
VÖ: 10.01.2020

Genre: Punkrock, Pop-Punk

Vergleichbar:
Donots – Karacho
Kmpfsprt – Intervention

Wertung:
9/15

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