Review: Red City Radio – Paradise

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Red City Radio tragen ihr Holzfällerhemd noch, jetzt eben unter der Lederjacke: Paradise ist das Album, zu dem sich Hot-Water-Music- und Thin-Lizzy-Fans gemeinsam betrinken können.

Red City Radio, ihr drittes Album von 2015, deutete es an, die Sky Tigers-EP von 2018 setzte es in die Tat um, Paradise konzentriert sich jetzt auf Albumlänge auf Classic-Rock-Riffs, Solis und Songs, die eher für die großen, als die kleinen Bühnen gemacht sind. Das ist noch Gainesville-Punkrock, aber mit Betonung auf der zweiten Silbe und nicht exklusiv für diejenigen, die sich Live your heart and never follow! auf die Brust tätowiert haben. Der Gestus ist derselbe, nur die Mittel sind andere. Fremont Casino beginnt am Lagerfeuer und endet im Radio, Doin‘ It For Love fröhnt Thin Lizzy, und zu einem Song wie dem Titeltrack können auch U2-Hörer die Kontrolle verlieren. Das Quartett aus Oklahoma gönnt sich viele solcher Stadionrockmomente – siehe Baby Of The Year100,000 Candles oder Young, Beautiful & Broke. Schön für alle, die neu dabei sind, schade für diejenigen, die die Band mit ihrem tollen Debüt The Dangers Of Standing Still (2011) sowie dem noch tolleren Nachfolger Titles (2013) als Geheimtipp für sich entdeckt haben.

Das stürmische Gutterland wirkt da wie ein Trostpflaster. Bei allen Neuerungen – nicht nur soundtechnisch, auch innerhalb der Band gab es mit dem neuen Bassisten Derik Envy Veränderung – ihre Trademarks sind geblieben: die Reibeisenstimme von Gitarrist und Sänger Garrett Dale sowie mehrstimmiger Harmoniegesang. Besonders bei letzterem verhält es sich wie mit der Remoulade und dem Brötchen: Weniger ist manchmal mehr. Dick aufgetragen ist auch die Botschaft des Albums, das vom Finden des eigenen Paradieses handelt, in dem Liebe, Frieden und Wahrheit wartet. Gibt Schlechteres als im Jahr 2020 Hoffnung zu verbreiten,gibt aber auch stimmigere Zeilen als „Loser gettin‘ high on being gone/ I used to drink a lot/ I still do but I used to too/ We used to laugh a lot“ gibt. Besser gelingt es im bereits erwähnten Gutterland, wenn Dale und Band „But if the sun don’t shine/ Ain’t no bother I don’t mind“ schreien, und man sich erinnert, wie gut Punkrock-Platten über die Sollbruchstellen des Lebens hinweghelfen können.

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Label: Pure Noise/Membran
VÖ: 04.12.2020

Genre: Punkrock, Rock’n Roll, Alternative Rock

Vergleichbar:
Iron Chic – You Can’t Stay Here
The Flatliners – Inviting Light

Wertung:
8/15

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