Review: Radio Havanna – Veto

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AntifaschistenFreie RadikaleHerzschmerzsäufer: Bei Radio Havanna ist die Marschrichtung klar vorgegeben. Wer weiter darauf wartet, dass den Wahlberlinern kein Album voller Punkrock-Hymnen gelingt, wird von Veto enttäuscht sein.

Wie auch den vor gerade einmal zwei Jahren erschienenen Vorgänger Utopia veröffentlicht das Quartett sein nunmehr siebtes Album über das eigene Label Dynamit Records. Auch stilistisch fühlt sich Veto in Verbindung mit Utopia wie der zweite Teil eines Doppelalbums an – das es allerdings nicht gibt. Kurzum: Alles beim Alten. Wie schon auf Utopia durchbricht keiner der 13 Songs die Vier-Minuten-Marke und es geht – wie könnte es anders sein – erneut ums Saufen, Erinnerungen von früher, das Tourleben und Antifaschismus. Das alles funktioniert allerdings hervorragend, weil Radio Havanna wissen, wie man mitreißenden und besonders eingängig Punkrock spielt, ohne sich zu sehr zu wiederholen. Und irgendeiner muss den Job ja machen.

Der Opener Krach spielt auf der Autobahn und im Minivan, in dem Radio Havanna nun seit fast zwanzig Jahren durchs Land reisen und Konzerte spielen. Das war nicht immer alles schön oder komfortabel, dennoch gilt die Devise: „Es gibt nichts, das besser ist als Krach!“ Coole Kids dreht sich hingegen um Festivalbekanntschaften und was daraus entflammen kann, wenn man dieselbe politische Meinung teilt. Immer noch da ist wiederum eine Hymne zum Nicht-unterkriegen-lassen und besitzt den größten Ohrwurm-Charakter der Platte. So gut wie in den ersten drei Songs wird es danach eher nur noch am Ende des Albums, was auch an den oft einfallslosen C-Parts liegt, in denen meistens der Refrain in reduzierter Variante wiederholt oder ein instrumentaler Part zur Überbrückung eingestreut wird. Das verdeutlicht aber auch, dass die neuen Songs vor allem auf die kommenden Liveshows der Band und Momente zum Mitsingen oder Pogen ausgelegt sind.

Mit Simsonpunk gibt es auf Veto zudem eine Hymne für die ursprüngliche Heimat der Band, das thüringische Suhl, in dem der ehemalige Fahrzeughersteller Simson gegründet worden ist. In Antifaschisten gibt es den Versuch, rechtspopulistische Entwicklungen im eigenen Freundeskreis zu verarbeiten, Schrei nach Liebe-Anspielung inklusive. Deutlich ruppiger wird es im kürzesten Song der Platte, Hass ohne Verstand: „Wie viele Leichen reichen für dein fucking Vaterland?“ Das zeigt eben auch, dass sich Radio Havanna mit ihrer eindeutig linkspolitischen Haltung nicht nur Freunde machen. Umso lobenswerter, dass sie sich davon nicht abbringen lassen und weiter unbeeindruckt ihren Weg gehen.

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Label: Dynamit
VÖ: 17.01.2020

Genre: Punkrock

Vergleichbar:
ZSK – Hallo Hoffnung
Montreal – Hier und heute nicht

Wertung:
10/15

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Jonathan Schütz

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