Review: Psychedelic Porn Crumpets – Night Gnomes

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Nur 14 Monate nach dem wahnsinnig(gut)en LSD-Trip Shyga! The Sunlight Mound veröffentlichen Psychedelic Porn Crumpets ihr fünftes Album und nehmen den Fuß etwas vom Gaspedal. Nur leicht, versteht sich.

Ganz so produktiv wie ihre Landsleute King Gizzard & The Lizard Wizard ist die Band aus dem australischen Perth zwar nicht, fünf Alben in sechs Jahren sprechen aber eindeutig für sich. Von der Durchgeknalltheit Psychedelic Porn Crumpets‘ zeugt zudem die Tatsache, dass der Albumtitel Night Gnomes nach High Visceral, Pt. 1 & 2 (irgendwas mit Eingeweiden), And Now For The Whatchamacallit und eben Shyga! der bislang unkomplizierteste und zugänglichste Titel für eine Platte des Quintetts ist. Passend dazu zeigt sich die Band darauf deutlich entschleunigt. Der Opener Terminus, The Creator pluckert geschlagene 90 Sekunden vor sich hin, bevor Schlagzeug, Gesang und der Rest der Band einsetzen, was dem Song eine gewisse Schwere verleiht. Gemäßigt schlendert der Song keine zwei Minuten später über die Ziellinie. Im anschließenden Lava Lamp Pisco – was für ein Songtitel schon wieder – gibt’s hingegen die Sorte ballernden Psychrock, die Psychedelic Porn Crumpets im vergangenen Jahr perfektioniert hatten, wobei die Band zugleich geradliniger als bislang klingt.

In Dread & Butter greift Frontmann Jack McEwan zur Akustikgitarre, was insbesondere dann an ruhigere King-Gizzard-Songs erinnert, wenn er vom allseits beliebten Streichfett singt, bevor in der folkigen Bridge die Fleet Foxes nicht mehr weit sind. Bubblegum Infinity fasst die Sound-Entwicklung der Psychedelic Porn Crumpets wiederum perfekt zusammen: auf zurückhaltende, tolle Melodien trifft entspannter Fuzz, bevor attackierende Gitarren die Oberhand gewinnen. Im verträumten Sherbet Straws erinnert die Band dann wiederum an eine andere australische Psych-Größe: Tame Impala. Der anschließende Titeltrack schlägt in die gleiche Kerbe, ist aber deutlich verspielter und klingt tatsächlich so, als würden ein paar liebenswürdige Gnome ihr Unwesen treiben. In der zweiten Songhälfte gönnen sich Psychedelic Porn Crumpets einen mehrminütigen Instrumentalteil, bevor Bob Holiday wieder die angriffslustige Baller-Seite der Band herausstellt, aber ebenfalls etwas beherrschter klingt als etwa Mundungus aus dem letzten Jahr. Nach der elektronisch-wabernden Interlude Microwave Dave, dreht Acid Dent als einziger Song der Platte voll auf. Hier ist alles da, was man über die letzten Jahre an der Band lieben gelernt hat: der hallende Gesang von McEwan, genial geschichtete Gitarrenspuren, die psychedelischen Effektpedale und diese ungemeine Spielfreude. Nach der ebenfalls elektronischen Interlude In Dream, Out flaniert das abschließende Slinky / Holy Water ganz entspannt über fünfeinhalb Minuten ins Ziel.

Oftmals geht es schief, wenn eine Band nach einem Meisterwerk, das ihren bisherigen Stil perfektionierte, an ihrem Sound herumtüftelt. Night Gnomes ist sicherlich keine Liebe auf den ersten Blick, doch mit jedem weiteren Durchlauf lernt man den Abwechslungsreichtum der Platte lieben und entwickelt einen ähnlichen Suchtfaktor, wie es bei Shyga! der Fall gewesen ist. Zu verdanken ist das dem unglaublich guten Songwriting-Gespür der Band, denn die fünf Musiker wissen ganz genau, wann sie das Tempo reduzieren können und wann sie es wieder erhöhen müssen. Die Psychedelic Porn Crumpets haben ihre Mitte gefunden.

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Label: Marathon Artists/Rough Trade
VÖ: 22.04.2022

Genre: Psychedelic Rock

Vergleichbar:
Tame Impala – Lonerism
King Gizzard & The Lizard Wizard – Gumboot Soup

Wertung:
11/15

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Jonathan Schütz

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