Review: Odd Couple – Universum Duo

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Universum Duo ist ein ziemlich passender Name für das vierte Album von Odd Couple – das Duo lässt sich darauf nämlich weder musikalisch noch textlich in irgendwelche Schubladen stecken, sondern nimmt seine Hörer*innen mit auf einen wilden Trip.

Universum Duo beginnt mit dem Song 10 Bier bitte, den die Band bereits im Januar veröffentlicht hat. Dieser gibt einen ziemlich guten Vorgeschmack auf das restliche Album: er beginnt mit einer eingängigen Mischung aus Schlagzeug, Gitarre und Synthesizer, ist geprägt von Brüchen und cleveren Lyrics: „Dein Leben war leer, doch es war das Beste das du hattest, dir war nichts zu viel/ Oder war dein Leben leer nachdem es dir die Kehle runter geronnen ist? Neben dir steht das Tier, kurz vor vier: 10 Bier bitte!“. Es folgt Wand, die aktuellste Singleauskopplung. Der Song beginnt überraschend ruhig – aber wer die Band kennt, weiß was nach den ersten 20 Sekunden kommt: Richtig, ein explosiver Gitarrensound! Mit solch einem beginnt auch der nächste Song Brauchst du nicht.

Und gerade als man auf die Idee kommen könnte, man hätte ein Leitmotiv im Album erkannt, erfolgt ein Bruch: In der Mitte des Tonträgers folgen eine kleine Reihe Titel, die ein wenig aus dem vermeintlichen Albumkonzept fallen: Die Songs Dübelmann und A Dada klingen weitaus tanzbarer und im Indie-/Krautrock verhafteter, als der Rest des Albums. Das ist aber keinesfalls ein Kritikpunkt des Albums, ganz im Gegenteil: beide Tracks lockern Universum Duo als Gesamtwerk deutlich auf und versprühen eine gewisse Leichtigkeit – besonders im Vergleich zu den ebenfalls großartigen, aber eben doch oft schwereren Gitarrenriffs, von denen ein Großteil der Songs auf dem Album geprägt ist. Und ganz nebenbei ward übrigens auch der fieseste (im positiven Sinne) Ohrwurm im März 2020 geboren: „Ich bin der Dübelmann, ich schlag die Dübel in die Wand! Ich bin der Dübelmann, ich schlag die Dübel in die Wand!”

Dada lässt grüßen! Ein besonderes Highlight in Hinblick auf die Lyrics ist neben Geld auch Fahr ich in den Urlaub rein. Um nur einen kleinen Auszug zu zitieren: „Und ich ertränke mich in Selbstmitleid/ Niemand, den ich kenn‘ sagt mir ‚Ey, es reicht!‘/ Wenn es mir schon schlecht ergeht, dann wenigstens dort, wo es schön ist. […] Fahr‘ ich in den Urlaub rein…”

Am Album Universum Duo kann man sehr gut raushören, dass sich die Bandmitglieder Jascha Kreft und Tammo Dehn schon seit 15 Jahren kennen und genauso lange gemeinsam Musik machen: alles wirkt auf einander abgestimmt, trotzdem aber dynamisch und erfrischend. Waren die ersten drei Alben noch starke Genre-Alben, nehmen sich Odd Couple auf Universum Duo viel mehr Freiheiten. Das Album hat in seinem Klang durch die immer wiederkehrenden Schlagzeug- und Synthie-Beats wie auch Gitarrenriffs definitiv einen roten Faden, der aber zum Glück immer mal wieder unterbrochen und neu aufgenommen wird. Die Beschreibung Dada-Rock erscheint sowohl für den Sound als auch die Texte der Band also ziemlich passend. Auch dass die Band, so hört man, beim Schreiben der Texte die ein oder andere Universum-Dokumentation geschaut hat, kann man durchaus heraushören. Produziert wurde das Album von Olaf O.P.A.L. (International Music, The Notwist) – ihm ist es auch gelungen, den kompromisslos-gewaltigen Livesound des Duos einzufangen. Apropos Konzerte, Odd Couple gehen bald auf Tour, sofern diese nicht aufgrund des Corona-Virus abgesagt wird:

01.04. Leipzig, Naumanns
02.04. Hamburg, Molotow
03.04. Köln, Gebäude 9
07.04. Mainz, Schon Schön
08.04. Nürnberg, MUZ
09.04. Luzern, Schüür
10.04. Aarau, Kiff
11.04. Saarbrücken, Sparte 4
12.04. München, Milla
26.04. Berlin, Lido
29.04. Dortmund, FZW
30.04. Augsburg, SoHo Stage
01.05. Stuttgart, Merlin

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Label: Geld Records
VÖ: 13.03.2020

Genre: Krautrock, Alternative Rock

Vergleichbar:
The Black Keys – El Camino
Ty Segall – Melted

Wertung:
11/15

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