Review: Mother’s Cake – Cyberfunk!

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Weltraum, lass uns tanzen! Hinter Mother’s Cake’s viertem Studioalbum verbirgt sich, was drauf steht: Cyberfunk!

Es ist nicht so, als wäre Funk Neuland für das österreichische Trio um Frontmann Yves Krismer. Fungierte dieser auf ihren vorherigen Platten eher als Hilfsmittel, um ihre Psychrock-Songs sehniger klingen zu lassen, überrascht auf Cyberfunk! dessen Omnipräsenz und unverkrampfte Zurschaustellung. Einen Song wie Hit On Your Girl, der in der ersten Hälfte der über 6 Minuten Spielzeit eine zügellose Funk-Disco-Party feiert, hätten sie sich auf ihrem Debüt Creation’s Finest (2012) so nicht getraut. Schön daran: Mother’s Cake gelingt es mit der Stilvielfalt zu begeistern anstatt zu überfordern. Zum Beispiel, wenn Hit On Your Girl im Laufe seiner Spielzeit von einem Queens-Of-The-Stone-Age- in ein Led-Zeppelin-Riff mündet, und anschließend, wo wir schon bei großen Namen sind, Dark-Side-Of-The-Moon-gemäß durchs All schwirrt. Ebenso abwechslungsreich ist das gesamte Album geraten. Auf das hyperaktive, an King Gizzard And The Lizard Wizard zu Flying-Microtonal-Banana-Zeiten erinnernde Toxic Brother folgt das psychedelische Crystals In The Sky, auf den Funk der früheren Red Hot Chilli Peppers in I’m Your Presidant der soulige Charme von Love Your SmellThe Operator kann beides: Bilderbuch-Groove in den Strophen, Rage-Against-The-Machine-Riff im Refrain. Ist das Finale von Lonely Rider die Nacht, ist Gloria der Tag danach, der Soundtrack, den man braucht, wenn man sich so ver(b)raucht fühlt, wie der Typ auf dem Arctic-Monkeys-Cover aussieht: „Gloria? What you did to me?“ Wahnsinn? Wahnsinnig gut.

Cyberfunk! lebt von Spielfreude und Überraschungsmomenten – man hört, dass es live eingespielt wurde. Gleichzeitig sind die Songs in zeitlicher Hinsicht weniger ausufernd, dafür aber bereit sich ein neues Klangkleid überzustülpen oder das alte mit frischen Farbtupfern zu verzieren – falls es dem Song gut tut. Ebenso toll: Da die Tracks stellenweise ineinander übergehen, fungiert Cyberfunk! als Liebeserklärung an das Format Album. Eingefleischte Mother’s-Cake-Fans können sich zudem über die letzten Sekunden von The Beetle freuen. Also: Menschen, deren musikalischer Horizont von AC/DC bis Airbourne reicht, sollten die Finger von Cyberfunk! lassen, allen anderen sei gesagt: Viel Spaß!

mc_cyberfunk_cover

Label: Membran
VÖ: 18.09.2020

Genre: Psychedelic Rock, Funk, Hardrock

Vergleichbar:
DeWolff – Tascam Tapes
Coogans Bluff – Metronopolis

Wertung:
12/15

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