Review: Lygo – Schwerkraft

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Lygo klingen nun endlich nicht mehr nur wie eine junge Version von Turbostaat, sondern haben sich mit ihrem zweiten Album “Schwerkraft“ musikalisch gefunden.

Erinnerte das Trio aus Bonn noch mit dem 2015 veröffentlichten Debüt “Sturzflug“ mit jedem einzelnen der zehn Songs an die Vorzeigeband aus dem hohen Norden, änderte sich dies schon mit der ein Jahr später erschienenen EP “Misere“. Gab es auf dem Debüt noch vereinzelt lange Songs, die den Punk eher als Post-Punk definierten, überschritt keiner der voranpreschenden Tracks der EP die Vier-Minuten-Marke. Dies gilt auch für “Schwerkraft“, das Lygo so politisch und meinungsstark wie nie zeigt. Während der Opener “Alles ist egal“ in 52 Sekunden noch etwas verhalten losscheppert, übt das folgende “Festgefahren“ – einer von drei vorab veröffentlichten Songs – mit eingängigem Refrain Kritik an Bequemlichkeiten und eben festgefahrenen Strukturen. “Gründe“ dagegen klaut sich seine Gitarre zu Beginn bei Fjørt und schwingt sich auf, deren Anti-Nazi-Meisterstück “Raison“ Konkurrenz zu machen. Dies gelingt, weil der Song einen Spiegel vor die ungeschönte Wahrheit hält und sich nicht in instrumentalen Abzweigungen verliert, sondern nach zwei Minuten das Tempo anzieht und mit einem wütenden Ausbruch der Rhythmusgruppe endet.

Großartig ist auch der Song “Schraubzwinge“, der sich mit Kurzlebigkeit auseinandersetzt und verschwendete Zeit anprangert. “Keine Leichtigkeit“ erzählt wiederum die Geschichte einer in die Brüche gegangenen Beziehung, gefolgt vom 70-Sekunden-Stampfer “Nervenbündel“. Der finale Song “Flughafen“ schlägt textlich die Brücke zum Beginn des Albums, plätschert aber musikalisch zu sehr vor sich hin und nimmt den Wind, den Lygo vorher tosend verursacht haben, aus den Segeln. Weil zudem von einigen Songs nicht viel hängenbleibt und die Musik außerhalb der starken Lyrics größtenteils gleichklingt, ist “Schwerkraft“ am Ende ,,nur“ ein gutes Album. Der Deutschpunk-Olymp bleibt Lygo somit vorerst verwehrt.

lygo_schwerkraft_digitalcover_final

Label: Kidnap
VÖ: 07.09.2018

Genre: Punkrock, Post-Hardcore

Vergleichbar:
Pascow – “Diene der Party“
Fjørt – “Kontakt“

Wertung: 10/15

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Jonathan Schütz

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