Review: Liza Anne – Bad Vacation

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Liza Anne lässt auf ihrem vierten Album Bad Vacation die Grenzen zwischen tanzbarem Indierock und zurückgezogenem Schlafzimmer-Indiepop verschwimmen.

Mit vollem Namen heißt die US-Amerikanerin eigentlich Elizabeth Anne Odachowski. Nach dem Besuchen eines Collegekurses für eine Songwriting-Ausbildung veröffentlicht Odachowski 2014 ihr Debütalbum The Colder Months, mit ihrem dritten Album Fine But Dying löst sie sich 2018 endgültig von dessen Folk-Wurzeln und emanzipiert sich als Indiepop-Künstlerin mit einem Bewusstsein für psychische Gesundheit. Wie auch schon das Vorgängeralbum trägt Bad Vacation einen Titel, der impliziert, dass es auf dem dazugehörigen Album um das Verarbeiten schlechter Gefühle und toxischer Erlebnisse geht. Bad Vacation ist mit seinen zwölf Songs in 30 Minuten dabei wesentlich knackiger geraten als Fine But Dying mit elf Songs und einer Lauflänge von 39 Minuten. Nichtsdestotrotz sind vor allem die Lyrics auf dem vierten Album absolut auf den Punkt, wie beispielsweise der Titeltrack verdeutlicht: „You were a long bad vacation/ A hotel with a view but I just stayed in, oh/ I kept the blinds loose, so light would fall through/ Now I’ve checked out and I don’t miss ya“.

Gemäß der Urlaubs-Metapher im Albumtitel zeigt sich Liza Anne musikalisch von ihrer sonnigsten Seite, lyrisch gleicht das Werk dagegen durchgehend einer Audienz beim Seelenklempner. Damit erinnert Bad Vacation an Petals For Armor, das Solodebüt von Paramore-Frontfrau Hayley Williams, jedoch ohne dessen ganz großen Pop-Appeal. Die verzerrten Gitarren ähneln wiederum Künstlerinnen wie Courtney Barnett oder Torres, nehmen aber nur selten so viel Raum ein wie in der krachenden Single Devotion. Stattdessen versprühen die Songs größtenteils einen zurückgelehnten Indiepop-Vibe, I Shouldn’t Ghost My Therapist schleicht nach Handclaps und einem großen Chorus sogar mit Sufjan-Stevens-Harmonien ins Ziel. In This Chaos, That Feeling wiegt Liza Anne die rockigen und verträumten Pole in Strophe und Refrain sogar direkt gegeneinander auf, während Oops für 96 Sekunden flott auf die Indie-Tanzfläche zieht. Das abschließende Too Soon atmet mit einem Klarinetten-Auftritt wiederum French-Jazz-Luft. Auf Fine But Dying hat Liza Anne ihren Geisteszustand und ihre Dämonen akzeptiert, mit Bad Vacation folgt nun das Empowerment, um sich trotz dieser Gefühle im Alltag gut und stark zu fühlen. Be who you want to be.

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Label: Arts & Crafts
VÖ: 24.07.2020

Genre: Indiepop, Indierock, Singer/Songwriter

Vergleichbar:
Courtney Barnett – Tell Me How You Really Feel
Hayley Williams – Petals For Armor

Wertung:
12/15

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Jonathan Schütz

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