Review: Leoniden – Again

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Leoniden schicken ihrem Debütalbum schon 20 Monate später einen Nachfolger hinterher. “Again“ ist ein Indiedisco-Fest für alle Soundfetischisten.

Mit ihrem nach der Band benannten Debütalbum setzten sich Leoniden im Frühjahr des vergangenen Jahres im deutschen Indie-Strom fest. Songs wie “Nevermind“, “1990“ oder “Sisters“ können inzwischen mehrere Millionen Streams verzeichnen, das zweite Album “Again“ könnte nun dafür sorgen, dass die Hits des Kieler Quintetts nun nicht mehr zu Beginn vieler Indie-Partys, sondern mitten im Party-Rausch für Ekstase und Hüftschwung sorgen.

Leoniden werfen ihre Fans nicht ins kalte Wasser: Die ersten drei Songs des Albums sind bereits vorab veröffentlicht worden und wie schon auf “Leoniden“ platzieren die Norddeutschen ihre größten Hits am Anfang, dieses Mal bleibt die Hitdichte und Tanzbarkeit jedoch bis zum Schluss am Anschlag. Der Opener “River“ beginnt im verträumten Indiepop, führt ein ganzes Streichorchester ein – was sich erst im finalen “Slow“ verabschiedet – und ufert im Refrain zum Post-Hardcore-Brecher aus. Dort bleibt auch die Bridge, die gekonnt La-La-La-Gesänge mit harten Gitarrenriffs kombiniert. “Kids“ wiederum mausert sich mit Zeilen wie ,,I never sleep cause sleep is the cousin of death“ und “Fuck it all/ We killed it tonight/ We stay awake“ zur Partyhymne, während “Alone“ zur Indie-Dance-Attacke ansetzt.

“People“ setzt das Piano als Beat-Maschine ein, “Why“ stillt das Verlangen aller Funk-Liebhaber und “Colorless“ springt vom Garage Rock zu einem filmmusikähnlichen Ausklang, der auch zum Kaffeetrinken in kalten Wintertagen funktioniert. “One Hundred Twenty-Three“ lässt in der Bridge die orientalischen Dance-Vibes von der Leine, Trillerpfeife inklusive. Erst im finalen “Slow“ möchte man sich nicht mehr kopfüber und barfuß in den Tanzkreis schmeißen.

Obwohl der Fokus der Leoniden auf den zahlreichen Ohrwurm-Refrains liegt, gestalten sich die Strophen aller Songs ebenfalls fantastisch und werden zum absoluten Soundtüftler-Ratespiel. Handclaps, Chöre, Piano, Streicher, Raschel-Geräusche – so kreativ hat lange keine Indie-Band mehr ihre Hits ausgeschmückt. Leoniden haben zudem von ihrem Debütalbum gelernt und lassen auf “Again“ die unnötigen verspielten Melodien weg, die “Leoniden“ phasenweise etwas anstrengend gemacht haben. Kürzer ist das Werk ebenfalls – statt zwölf gibt es nur noch zehn Songs, Zeit zum Durchschnaufen bleibt keine mehr. Durchschnaufen ist ja auch ein entfernter Verwandter vom Tod.

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Label: Two Peace Signs
VÖ: 26.10.2018

Genre: Indierock, Pop

Vergleichbar:
Bilderbuch – “Schick Schock“
Kakkmaddafakka – “Hest“

Wertung: 13/15

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Jonathan Schütz

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