Review: King Gizzard & The Lizard Wizard – Ice, Death, Planets, Lungs, Mushrooms And Lava / Laminated Denim / Changes

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King Gizzard & The Lizard Wizard gelten spätestens seit ihren fünf 2017 erschienenen Alben als veröffentlichungsfreudig, doch mit gleich drei neuen Alben in diesem Monat übertreffen sich die Australier selbst.

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King Gizzard & The Lizard Wizard – Ice, Death, Planets, Lungs, Mushrooms And Lava (Label: KGLW/VÖ: 07.10.)
Für ihr 21. Album hat sich die Band aus Melbourne eine Woche im Studio eingeschlossen und täglich mehrere Stunden gejammt. Das hatte das Sextett bereits für The Dripping Tap, 18-minütiger Opener des im April erschienenen Doppelalbums Omnium Gatherum, gemacht, und sich von diesem kollektiven Schreibprozess nun auch für Ice, Death, Planets, Lungs, Mushrooms And Lava inspirieren lassen. Im Gepäck hatten King Gizzard nur die sieben Songtitel, ein jeweils unterschiedliches Songtempo sowie eine täglich andere Tonart – der Albumtitel ist angelehnt an die sieben Modi der altgriechischen Dur-Tonleiter, die von den sieben Songs jeweils verkörpert werden – der Rest ist im Studio entstanden. Am Ende eines jeden Tages hat Frontmann Stu Mackenzie die Jams zu Songs zusammengesetzt, die die Band später mit Overdubs und zusätzlichen Instrumenten ergänzte. Auch die Texte hat die Band zusammen geschrieben, weswegen es sich um das bislang kollaborativste Album der Alleskönner handelt. Das hört man den sehr langen Songs – Lava ist mit knapp sieben Minuten der kürzeste – an. Die Tracks beginnen meist zurückgelehnt und mit weichem Jazz-Schlagzeug, bevor sie sich in der zweiten Hälfte aufschwingen und sich King Gizzard oftmals in einen regelrechten Rausch spielen. Insbesondere beim fantastischen Ice V kann man sich hervorragend vorstellen, wie die Band gemeinsam immer neue musikalischen Höhen erklimmt. Ein weiteres Highlight ist Iron Lung, das sich von einer butterweichen Ballade zum rockigsten Song der Platte entwickelt, sowie Lava mit den sich gen Ende wiederholenden Lyrics „The volcano is death, the lava is death/ Death is life, the lava is life“. Mit Flöte, Klarinette und Saxofon schmücken King Gizzard ihre Songs zudem geschmackvoll aus. Ice, Death, Planets, Lungs, Mushrooms And Lava ist im Gegensatz zum Mixtape-artigen Omnium Gatherum nicht für King-Gizzard-Quereinsteiger geeignet, wer jedoch bereits in ihrem Musikkosmos versunken ist und etwas Geduld mitbringt, erlebt pure Spielfreude und eine hervorragende Jam-Platte.

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King Gizzard & The Lizard Wizard – Laminated Denim (Label: KGLW/VÖ: 12.10.)
Wie für Ice, Death, Planets, Lungs, Mushrooms And Lava haben sich King Gizzard auch für ihr 22. Album vom gemeinsamen Schreibprozess von The Dripping Tap beeinflussen lassen und Laminated Denim ebenfalls in mehreren Jams aufgenommen. The Dripping Tap ist jedoch nicht der einzige Bezugspunkt zu einem vorangegangenen Album der Australier, zusätzlich handelt es sich um den „spirituellen Nachfolger“ sowie ein Anagramm von Made In Timeland. Wie das im März erschienene 19. Album besteht auch Laminated Denim aus zwei exakt 15-minütigen Songs, im Gegensatz zum elektronischen Vorgänger fällt die Platte jedoch deutlich psychedelischer aus. The Land Before Timeland und Hypertension sind wie die beiden Songs von Made In Timeland um das Ticken einer Uhr herum geschrieben. Passenderweise beginnt das Album mit einer laut pochenden Uhr, ehe diese immer mehr in den Hintergrund tritt bis schließlich vollends die Musik übernimmt. The Land Before Timeland ist ein zurückgelehntes Stück Musik, das nur nach zwölf Minuten kurz bedrohlich wirkt, wenn erneut die tickende Uhr zu hören ist, doch auch dann übernimmt wieder schnell die Musik, bevor der Song mit Synthesizern ausklingt. Präsent ist hingegen die tolle Mundharmonika, was Erinnerungen an Fishing For Fishies wach werden lässt. Hypertension zieht dagegen das Tempo an und fällt deutlich rockiger und verspielter aus und wird in der Mitte sogar kurz tanzbar. Auch wenn die halbe Stunde schnell vergeht und Laminated Denim sicher kein schlechtes Album ist, wird die Platte vermutlich nur die Hardcore-King-Gizzard-Fans begeistern.

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King Gizzard & The Lizard Wizard – Changes (Label: KGLW/VÖ: 28.10.)
Während Ice, Death, Planets, Lungs, Mushrooms And Lava und Laminated Denim spontan im Studio entstanden sind, haben King Gizzard seit 2017 an Changes gearbeitet und damit so lange wie an bislang keinem anderen Album ihrer umfangreichen Diskografie. Ihr nun 23. Album wollten die Australier als fünftes und finales Album für 2017 veröffentlichen, die Band war aber der Meinung, dass das Album nicht fertig sei und hat stattdessen Gumboot Soup veröffentlicht. Ursprünglich sollte Changes zudem aus einem einzigen Longtrack bestehen. Daraus wurde schlussendlich der 13-minütige Opener Change, der zugleich Basis für die weiteren sechs Songs ist, denn die sind allesamt aus einem Abschnitt von Change aufgebaut, während die Anfangsbuchstaben jedes Songs chronologisch den Albumtitel wiedergeben. Dass die weiteren sechs Songs aus dem Fleisch von Change geschnitten sind, hört man: der zweite Song Hate Dancin‘ beginnt etwa mit der Klaviermelodie des Openers, während der Closer Short Change unter anderem das Kontrabass-Motiv seines geistlichen Vorgängers aufgreift. Dass King Gizzard „über jedes kleine Stück und jeden Sound, den man hört, viel nachgedacht“ haben, hört man dem Album ebenfalls an. Change entwickelt sich von einem Klavierintro über einsetzendes Jazz-Schlagzeug sowie die Einbindung von Kontrabass und Harfe in der Songmitte zu einem R’n’B-Teil, bevor Psych-Synthies einsetzen und der Song in einem rockigen Finale endet. Abenteuerlich. Das gilt auch für das siebenminütige Astroturf, in dem Flöten und Jazz-Saxofone als auch Psychrock-Synthies Platz finden, was den Song zu einem Highlight in der jüngeren King-Gizzard-Welt macht. No Body schwebt dagegen in Pink-Floyd-Manier in Zeitlupe gen Psychedelic-Himmel und in Gondii ist dank pluckernder Synthesizer das französische Electro-Duo Justice nicht mehr weit. Star der Platte ist Schlagzeuger Michael Cavanagh, der nahezu jeden Song an sich reißt, allen voran Astroturf mit großartigen HipHop-Drums, die sehr weit vorne im Mix platziert sind und den Song so antreiben. Und dann haben wir auch noch nicht über die Single Hate Dancin‘ geredet, in deren Verlauf aus „I still hate dancin’“ zunächst „I might like dancin’“ und schließlich „I feel like dancin’“ wird, während die Musik immer schwungvoller wird. Im Direktvergleich zu Ice, Death, Planets, Lungs, Mushrooms And Lava und Laminated Denim hat Changes am Ende die Nase vorne.

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Jonathan Schütz

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