Review: Keele – Kalte Wände

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2 Jahre und vier Monate nach ihrem Debüt Gut und Dir legt die Punkrock-Band aus Hamburg mit einem Album nach, das sich als Rückblick auf das Jahr 2018 versteht.

2017 veröffentlichen die fünf Kindheitsfreunde via Rookie mit Gut und Dir ihre erste Platte unter dem Namen Keele und überzeugen mit ihrem an Captain Planet, Matula und Mikrokosmos23 angelehnten Sound. Stürmische Gitarren treffen auf treibendes Schlagzeugspiel und Refrains, die sich zum kollektiven Mitbrüllen eignen. Zwischen diesen musikalischen Grundpfeilern lässt sich auch Kalte Wände einordnen, dessen Bilanz des Jahres 2018 von Tristesse bestimmt ist.

Die Songs handeln von Verlustängsten (Schwarze Decken), Spielsucht (Der Weg in den Ruin) oder der Anonymität im digitalen Zeitalter, die von Internettrollen zum Verbreiten ihres Hasses genutzt wird (Panem): „Während er auf dem Sofa sitzt/ seine Worte schärft/ und seine Pfeile spitzt/ ist er weit genug entfernt“. Das vorab ausgekoppelte Nullpunkt erteilt guten Vorsätzen zum Jahreswechsel eine Absage und entpuppt sie als leere Worte, die sich bereits am nächsten Morgen in Luft aufgelöst haben. Oder um es mit den Worten der Band zu sagen: „Heute werden die großen Stories geschwungen, doch am Ende bleibt nur der Schall des D-Böllers und eine mordsnervige Rauchwolke. Niemand im Hause Keele mag Silvester. Nullpunkt ist ein Song darüber.“ Darüber hinaus ein sehr guter, der bereits im Vorfeld einen Hinweis darauf gab, dass Keele mit ihrem zweiten Album da weiter machen, wo sie mit Gut und Dir aufgehört haben: Bei emotionalen Punkrock, der das Herz auf der Zunge trägt und die kleinen und größeren Rückschläge im Leben verarbeitet.

Der größte Unterschied zwischen den beiden Platten ist, dass Keele auf Kalte Wände Momente des Innehaltens eingebaut haben. Songs wie Schwarze Decken oder Der Weg in den Ruin preschen nicht sofort los, sondern setzen in den Strophen auf melancholischen Indierock. Selbst wenn Keele noch nicht das Niveau von Szene-Helden wie Captain Planet erreicht haben, ist ihnen mit Kalte Wände ein kluges Indie-Punk-Album gelungen, das bei Fans dieses Genres für Freude sorgen wird.

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Label: Rookie
VÖ: 23.08.2019

Genre: Punkrock, Indierock

Vergleichbar:
Lygo – Schwerkraft
Kazimir– Ein Grund, keine Ursache

Wertung:
11/15

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