Review: Kali Masi – [Laughs]

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Nicht so Haken schlagend wie Tiny Moving Parts, nicht so knietief im Grunge wie Basement, nicht so viele Alternative-Rock-Gesten wie bei Taking Back Sunday. Kali Masi gönnen sich auf [Laughs] von allem ein bisschen.

Schon auf seinem tollen Debüt Wind Instrument (2017) konnte sich das Quartett aus Chicago nicht entscheiden, nach welcher Emopunk-Lieblingsband es klingen möchte. Unentschlossenheit als Chance, die sich in einem abwechslungsreichen Album widerspiegelte, dem die neuen Songs in nichts nachstehen. Etwas härter sind sie geworden – zum Beispiel im abschließenden, an die Bostoner Make Do And Mend erinnernden The Stray. The Stray ist der brachialste von vier vorab veröffentlichten Songs, an deren Ende der Fahnenstange das textlich wie musikalisch Melancholie versprühende Freer hängt: „You lit me up like a firework/ I stuck myself inside of a can/ Like a man/ I thought I was the mortar“. Die Texte auf dem von Defeater-Gründungsmitglied Jay Maas produzierten [Laughs] handeln vom Gefühl festzustecken, vom Eingeklammertsein zwischen den eigenen Wünschen und den Erwartungen der Anderen, von Einsamkeit, und davon, da wieder rauszukommen. Auch wenn es in Guilt Like A Gun darum geht, dass jeder selbst für sein eigenes Glück verantwortlich ist, lassen Kali Masi niemanden mit dem aufgeschürften Herzen alleine, sondern schenken zehn Songs als Trostpflaster.

Der beste von ihnen heißt Recurring (I), namenstechnisch das Schwesterstück zu Recurring (II) vom Debüt, und macht sich nichts aus Genre-Grenzen: Anfangs klingt er wie die zahmen Momente der Prog-Metal-Freaks Protest The Hero, kippt dann mit emotionalen Spoken-Word-Passagen Richtung Post-Hardcore, kurz sind auch At The Drive-In nicht weit, bis eine Gitarrenfigur das Chaos wegwischt, und eine Trompete es sich im Hintergrund bequem macht, als wäre das hier ein Foxing-Song. Am Ende endet alles, wie es angefangen hat: mit dem Schlagzeug von John Garrison. Gekrönt wird Recurring (I) von der starken Gesangs-Performance von Sänger und Gitarrist Sam Porter. Mehr solcher Momente und Kali Masi wäre mehr als nur ein gutes Emo-Album gelungen – Pop-Punk-Songs wie Trophy Deer schreiben schon genug andere. Das ist natürlich Jammern von erträglichem Ausmaß, gehört [Laughs] zu der Art von Platte, die dem Herzen einen Arschtritt gibt. Davon kann es nie genug geben.

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Label: Take This To Heart/Homebound
VÖ: 26.03.2021

Genre: Emo, Punkrock, Alternative Rock

Vergleichbar:
Dogleg – Melee
Blis. – No One Loves You

Wertung:
11/15

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