Review: The Intersphere – The Grand Delusion

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Wer dachte The Intersphere hätten mit “Relations In The Unseen” ihren kreativen Höhepunkt
erreicht, wird von “The Grand Delusion” eines besseren belehrt.

Klar, schon auf “S.O.B.P”, “Interspheres >< Atmospheres” und “Hold On, Liberty!” wimmelt es von klugen Alternative-Prog-Rock-Songs, die von einem mehr oder weniger konkretem Konzept zusammengehalten werden. Ihr viertes Album aber stach heraus – wie sie darauf Eingängigkeit mit Komplexität verbanden, technisch versiert agierten ohne anzugeben und scheinbar nebenbei eine perfekte Hymne nach der anderen schrieben, ließ die Einen sprachlos zurück und die Anderen nach Biffy Clyro schreien. Mit “The Grand Delusion”, das wie der Vorgänger von Sänger und Gitarrist Christoph Hessler produziert wurde, werden die Vergleiche nicht abreißen – im Gegenteil: Die entrückten, mehrstimmigen Vocals im Opener “Think Twice”, der Gesang im Refrain vom Titeltrack und all die großen Melodien lassen unweigerlich an die Schotten denken. Davon ab haben The Intersphere ihre bisher vielfältigste Platte geschrieben: Sie ist zugänglich und komplex, rhythmisch wie hart, pompös aber nie überladen, auf den Hit schielend ohne das Gesamtkonzept Album aus den Augen zu verlieren. Die vier Mannheimer sind zu talentiert, als dass das irgendwie ideenlos zusammengefriemelt klingen könnte – alle Einflüsse reihen sich stimmig in ihren Sound ein: Das Klavier, die Streicher und Action-Thriller-Bläser in “Man On The Moon”, die Handclaps im fast schon unverschämt groovendem “Overflow” oder die frickeligen Mathrock-Gitarren, die sich gelegentlich in die Songs mogeln.

So verschieden die Tracks klingen, inhaltlich verbindet sie die Frage: Wie real ist die Wirklichkeit? Dabei geht es nicht nur um das Große und Ganze; das Denken und Handeln in gesellschaftlichen Systemen, sondern auch um das Persönliche: Worauf beruht die eigene, individuelle Wirklichkeit? “Secret Place” beschäftigt sich mit der Problematik in unserer schnelllebigen Welt Freiräume für Kreativität und selbstbestimmtes Handeln zu finden und entpuppt sich als Hit. Das folgende “Antitype” beschäftigt sich mit dem Kapitalismus, dem Streben nach grenzenlosem Wachstum und den daraus resultierenden Folgen und steht “Secret Place” musikalisch in nichts nach. Anfangs an aktuelle Thrice erinnernd, nimmt es nach zwei Minuten die Geschwindigkeit raus, sortiert sich neu, baut Gitarrenwände auf, mündet im kraftvollen Refrain, um dann mit tonnenschweren Riffs zu enden und beweist: So präzise, anspruchsvoll und thematisch stringent wie The Intersphere wirft keine andere deutsche Band Pop und Lärm in einen Topf.

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Label: Long Branch
VÖ: 30.11.2018

Genre: Alternative Rock, Progressive Rock, Pop

Vergleichbar:
Karnivool – “Sound Awake”
Arcane Roots – “Blood & Chemistry”

Wertung: 13/15

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