Review: Hot Water Music – Feel The Void

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Mit Feel The Void fallen Hot Water Music vor allem denjenigen in die Arme, denen sie ab 2001 beim Überleben geholfen haben.

Es gibt keine nach der Jahrtausendwende gegründete Band, zumindest keine gute, die sich mit den Begriffen Punkrock und Herz am rechten Fleck beschreiben lässt, die nicht von Hot Water Music beeinflusst wurde. Getrost kann man sie als Szene-Ikonen bezeichnen, ob es sich dabei um die Punkrock- oder die Post-Hardcore-Szene handelt, oder ob sie diesen Status für beide Genres beanspruchen, kann jede*r selbst entscheiden. 1994 in Gainesville, Florida gegründet, wurden vor allem die drei nacheinander veröffentlichten Alben No Division (1999), A Flight And A Crash (2001) und Caution (2002) mit unzerstörbaren Hits wie Free Radio GainesvillePaper Thin oder Trusty Chords zu Klassikern. Feel The Void weckt vor allem Erinnerungen an A Flight And A Crash und Caution, wohl auch, weil mit dem Battery- und Be Well-Sänger Brian McTernan derselbe Produzent mit an Bord ist. Das bedeutet: prägnante Basslinien von Jason Black, die sich duellierenden Schmirgelpapierstimmen von Chuck Ragan und Chris Wollard, und jede Menge mitreißende Punkrocksongs, die auch im Jahr 2022 wenige besser hinbekommen als Hot Water Music, wie das eröffnende Trio aus Another BreathKilling Time und Newtown Scraper unter Beweis stellt. Collect Your Things And Run zeigt den Jüngeren an der Half-Pipe, dass es sich in den ausgetretensten Vans immer noch am besten Skaten lässt.

Einer von diesen Jüngeren könnte der Flatliners-Frontmann Chris Cresswell sein, erst Live-Vertretung für Wollard, nun vollwertiges Bandmitglied, und erstmals am Songwritingprozess beteiligt. Mit Turn The Dial singt er sogar einen Song selbst, der zwar nicht mit der Intensität der restlichen elf mithalten kann, aber als Symbol dient: Hot Water Music holen die alte Karre wieder aus der Garage, hängen aber einen Duftbaum an den Rückspiegel. Den Rückspiegel am liebstem abtreten möchte Chris Wollard in Collect Your Things And Run, in dem er dem Zurückblicken eine Absage erteilt und den Fokus auf die Dinge richtet, die gut laufen. In diese Kerbe schlägt jeder der Songs – am kräftigsten Killing Time und The Weeds: „What I leave will decompose/What I take I’ll always hold/Let it move/Let it make me whole/Weeds still got such a long way to grow“. Die Geschichte vom Fallen und Wiederaufstehen, vom Scheitern und Weitermachen, will einfach nicht alt werden, und gehört bei einer Band, die sich nach einem Buch von Charles Bukowski benannt hat, zur Pflichtaufgabe. Bei Hot Water Music steckt der Kopf nicht im Sand, noch weniger scheint ihnen die Sonne aus dem Arsch, eher haben sie begriffen, dass es zwischen Arsch und Kopf noch etwas gibt, für das es sich aufzustehen lohnt. Dass dabei der ein oder andere Chor zu dick gerät (Lock Up) oder die zweite Albumhälfte qualitativ federn lässt: geschenkt.-

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Label: End Hits
VÖ: 18.03.2022

Genre: Punkrock, Post-Hardcore

Vergleichbar:
Iron Chic – Not Like This
Small Brown Bike – Dead Reckoning

Wertung:
11/15

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