Review: Hathors – Grief, Roses & Gasoline

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Immer nur mit dem Hammer durch die Wand wird irgendwann langweilig, auf ihrem vierten Alben wühlen Hathors in ihrem Werkzeugkasten und entdecken, dass es Alternativen gibt.

Um es deutlicher zu sagen: Das Trio hat seinem Sound eine Frischzellenkur verpasst. Beziehungsweise dem was von Hathors übrig geblieben ist, namentlich: Sänger und Gitarrist Marc Bouffè. Neu mit an Bord sind Schlagzeuger Dominique Destraz, der auch bei Death Of A Chearleader aktiv ist, und Marco Naef, auch bekannt als Bassist der Alternative-Rock-Band Navel und unter seinem Solo-Projekt The Night Is Still Young. Über eine Umbenennung wurde nachgedacht, die Idee aber verworfen. Ist nicht nötig, auch so wird jeder mitbekommen, dass sich bei den Schweizern viel getan hat. Den rumpeligen Garage-Grunge-Punk-Sound der vorherigen drei Alben haben sie nicht komplett ausgesperrt, aber die Tür offen gelassen für andere Einflüsse. Auch klingen sie geordneter, und weniger hyperaktiv. Der Opener Where Were You ist ein stampfender Party-Rock’n-Roll-Song mit Ohrwurmcharakter und hat was ein Party-Rock’n-Roll-Song braucht: einen „Na na na”-Refrain. Hätten auch Royal Republic nicht stumpfer schreiben können. Aber eben auch nicht besser. Anschließend folgt das tolle It Takes Forever, der ungewöhnlichste Song auf Grief, Roses & Gasoline, der in seinen zurückgelehnten Strophen wie eine Straßenköter-Version von The Kooks klingt, und im Refrain das Fuzz-Pedal anschmeißt. Sleepwalker täuscht Blues vor, um sich dann sich zum geradlinigen Alternative-Track mit Foo-Fighters-Refrain zu entwickeln.

Und so geht sie fröhlich weiter, die wilde Referenzachterbahn durch die ältere und jüngere Rockgeschichte: Give It Away (For Her) katapultiert sich innerhalb von knapp zweieinhalb Minuten in das Jahr 2002, grüßt fröhlich The Vines und ihren Hit Get Free, The Valley begeistert mit Sonic-Youth-Gitarren, Loose Ends ist der Herzenssong für die Kopfnicker-Fraktion und paart Noiserock mit Stoner-Riffs, das an der Sechsminuten-Marke kratzende Revolver erinnert an Alice In Chains und sorgt für einen Refrain, der die richtige Mischung zwischen kraftvoll und theatralisch findet. Bis auf das plakative Rock This Town, das Mötley Crue und Unsane in einen Topf wirft, sind alle Songs gelungen. Gute Songs schreiben kann jeder, die eigentliche Kunst besteht darin, dass Grief, Roses & Gasoline nicht wie ein lieblos aus herumliegenden Einzelteilen zusammengewebter Flickenteppich klingt, sondern wie ein harmonisches Großes und Ganzes. Positiv hinzu kommt die Variabilität von Bouffés Gesang, der mal heiser-bekifft wie in It Takes Forever, garstig wie in Rock This Town oder wie Adam Stephens von den Two Gallants mit ruinierten Stimmbändern klingt. Obwohl Hathors im Vergleich zu ihren vorherigen drei Platten auch an Aggressivität einbüßen, markiert Grief, Roses & Gasoline den bisherigen Höhepunkt ihrer noch jungen Diskographie.

hathors-cover

Label: Noisolution/Soulfood
VÖ: 22.05.2020

Genre: Alternative Rock, Garage Rock, Punkrock

Vergleichbar:
The Vines – Winning Days
Butthole Surfers – Electriclarryland

Wertung:
11/15

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