Review: Frank Turner – Be More Kind

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Frank Turner hat gute, sehr gute und Alben für die Ewigkeit veröffentlicht. Mit seinem siebten Werk “Be More Kind“ tritt der Folk-Punk-Singer/Songwriter aus seiner Komfortzone heraus – und enttäuscht.

Der Nachfolger des 2015 veröffentlichten “Positive Songs For Negative People“ sollte ursprünglich ein Konzeptalbum über Frauen, die in der Historie übergangen und ignoriert wurden, werden, doch dann las Turner die Zeile “I should have been more kind. It is my fate. To find this out, but find it out too late“ aus dem Gedicht “Leçons Des Ténèbres“ von Clive James. Dies soll den Briten komplett fertig gemacht und zu einem höchst politischen Album angestiftet haben. Schon im Opener “Don’t Worry“ wird deutlich, dass Turner einiges zu sagen hat. Zu entspanntem Soul macht er klar, dass man sich nicht zu viele Sorgen machen und stattdessen mutig das Zepter in die Hand nehmen soll. Das anschließende “1933“ präsentiert zwar angriffslustigen Folk-Punk, gestaltet sich lyrisch allerdings als schwierige Nummer. “Outside it’s 1933 so I’m hitting the bar“ funktioniert zwar als Verbildlichung der schwierigen aktuellen Zeit, so schlimm wie vor 85 Jahren ist es 2018 (zum Glück) nicht.

“Make America Great Again“ trifft da schon eher den Zahn der Zeit, musikalisch gestaltet sich der ebenfalls vorab veröffentlichte Song allerdings gleichermaßen langweilig wie der Großteil der Platte. “Little Changes“ bietet befreiten Sommerpop, “Going Nowhere“ verläuft wirklich ins Nirgendwo und das aufgeblasene “There She Is“ war schon auf dem Ende 2017 erschienenen “Songbook“ zu finden. “Brave Face“ funktioniert dagegen sehr gut als Folk-Rock-Mutmacher und mit “Blackout“ hat Turner sein Meine-Musik-soll-in-Clubs-laufen-können-Vorhaben prima umgesetzt. “21st Century Survival Blues“ erlebt nach dem zweiten Chorus einen überraschenden Cut und der Vollblutpunker darf sein stimmliches Volumen in die Höhe unter Beweis stellen. Zum Ende wird es jedoch richtig einschläfernd: “Common Ground“, “The Lifeboat“ und “Get It Right“ plätschern vor sich hin, als gäbe es im Backstage-Bereich nur warmes, alkoholfreies Bier.

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Label: Xtra Mile Recordings/Polydor
VÖ: 04.05.2018

Genre: Folk, Punk, Pop

Vergleichbar:
Mumford & Sons – “Wilder Mind“
Brian Fallon – “Sleepwalkers“

Wertungen:
Lyrik 10/15
Produktion 11/15
Songwriting 8/15
Spannungsbogen 7/15
Suchtfaktor 8/15

Gesamtwertung: 8/15

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Jonathan Schütz

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