Review: Into It. Over It. – Figure

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Falsche Entscheidungen, eine gescheiterte Beziehung und eine richtungsweisende Trennung. Figure ist weder Triumph noch Flucht vor diesen Themen, die Mastermind Evan Thomas Weiss zu bewältigen hatte, sondern eine direkte Konfrontation und Abrechnung.

Lasst uns doch ehrlich sein: Jeder stand in seinem Leben mal an diesem Punkt, an dem man vermeintlich schlechte Entscheidungen hinterfragt hat. Oftmals kann sich so eine negative Denkweise aber in ein kontinuierliches Schema verwandeln, welches in eine mentale Abwärtsspirale mündet. Für Weiss begann das alles irgendwann im Jahr 2016. Erst verließ der langjährige Bandpartner Josh Sparks die Band und dann musste der US-Amerikaner auch noch realisieren, dass seine Beziehung einem Scherbenhaufen gleichte.

Das einleitende They Built Our Bench Again In Palmer Square klingt dementsprechend ein bisschen zurückhaltend. Der Song baut sich bedächtig auf, Weiss trägt in erzählerischer Manier seinen Songtext vor, während sanfte Akkorde und treibende Drums irgendwo im Raum herumschwirren. Ein Fingerzeig für das restliche Album? Mitnichten! Anschließend startet Living Up To Let You Down nämlich mit markantem Beat, der den Kopf von alleine zum Mitwippen bringt. Die zarten Sonnenstrahlen, die sich durch die Zimmerpflanzen ins Gesicht verirren, zaubern einem dabei ein leichtes Lächeln ins Gesicht. Irgendwie wirkt die Musik beruhigend, wenngleich textlich ernste Worte angeschlagen werden.

Figure ist aber vor allem eins: Eine Sammlung von eingängigen Melodielinien, verspielten Drums und einem dann doch zufriedenen Evan Thomas Weiss. „Zeitgleich belasteten mich die ganzen Fehler, die ich innerhalb der vergangenen fünf Jahre gemacht habe“ kommentiert dieser die Entstehung seines neuesten Albums. Aber statt seine Musik in eine depressiv-melancholische Richtung verschwimmen zu lassen, ließ er sich auf die neuen Gegebenheiten ein. Fortan arbeitete Weiss als Solomusiker, holte sich 2017 Schlagzeuger Adam Beck ins Boot. Mit dessen Unterstützung hauchte der Into It. Over It. neue, frische Energie ein.

Die Platte ist geschmückt mit Hymnen, etwa We Prefer Indoors. Technisch versierte Riffs winden sich dabei in bester Emo-Manier um das treibende Schlagzeug und ein sichtlich angetriebener Weiss lässt seinen Emotionen freien Lauf. Viele Kleinigkeiten schmücken die Songs aus, das Songwriting ist ausgeklügelt und abwechslungsreich. Der Musik zuzuhören macht einfach Spaß und man kann sich nur annähernd denken, welchen großen Stellenwert das Album in Weiss‘ Leben besitzt.

Was lernen wir aus dem Album, was für ein Fazit lässt sich ziehen? Ich will meine Antwort darauf kurz und knapp halten: Es ist in Ordnung, wenn mal nicht alles funktioniert, wie man es sich vorstellt. Figure ist eine schöne Metapher dafür, sich einfach aufzubäumen, Probleme anzugehen und neuen Mut zu schaffen. Denn wenn nach den zwölf Songs wieder nur das Rauschen der Kopfhörer wahrnehmbar ist, fühlt man sich trotz der Leere gestärkt – und schmeißt das Album einfach nochmal von vorn an.

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Label: Big Scary Monsters
VÖ: 18.09.2020

Genre: Emo, Indierock, Mathrock

Vergleichbar:
The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die – Harmlessness
American Football – American Football (LP3)

Wertung:
12/15

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