Review: Drip-Fed – Kill The Buzz

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Drip-Fed haben seit ihrem unbetitelten Debütalbum wenig an ihrer Musik herumgedoktert: Auch auf ihrem zweiten Album Kill The Buzz interpretieren die Texaner Hardcore maximal sonnig und so breit gefächert wie möglich. Geschärft hat das Quintett dagegen sein Gespür für Songwriting und Hits.

Zweieinhalb Jahre ist es her, dass Drip-Fed ihr Sammelsurium aus Hardcore, Punk und Rock’n’Roll erstmals auf Albumlänge präsentiert haben. Seitdem ist die Band aus Austin, Texas getourt und hat sich ein eigenes Studio gebaut, in dem auch Kill The Buzz entstanden und aufgenommen worden ist. Gut möglich, dass das veränderte Entstehungsumfeld und das damit einhergehende Plus an Zeit dazu geführt haben, dass Kill The Buzz noch ausgereifter wirkt als sein Vorgänger. Gab es auf Drip-Fed mit dem abschließenden Intertwine nur einen Song mit Pop-Ansprüchen, überrollt die Band einen dieses Mal förmlich mit eingängigen Hardcore-Punk’n’Roll-Bastarden. Besonders gelungen funktioniert das im Titeltrack, der von einem Bassriff eröffnet wird, nachdem Schlagzeug und Gitarren-Feedback einsetzen, losbricht, und in der beginnenden Strophe Platz für eine Akustikgitarre macht.

Die Single Moonlighting kommt sogar nicht übers Midtempo hinaus, während 24 Hour Fireworks Stand mit Indie-Gitarren einsteigt und erst später zu einer gewissen Grundhärte findet. Die ist trotz des verstärkten Pop-Instinkts allgegenwärtig – zwar experimentiert Frontmann Jeff Blum hin und wieder mit Flüster- oder Klargesang, den Großteil der Zeit schreit er aber wohlbekannt ins Mikro, sodass gestandene Hardcore-Bands wie Knocked Loose nicht weit sind. Hardcore ist für Drip-Fed allerdings weniger Ausdrucks- als Stilmittel. Breakdowns gibt es so gut wie keine, Songs wie Tone Deaf oder Wearing A Wire besitzen aufgrund ihres hohen Tempos dennoch das Potenzial, einen Club auf links zu drehen. In seiner Gesamtheit ist Kill The Buzz aber ein Hardcore-Album, das freundlich genug ist, um es mit Freunden im Park zu hören und zu dem man aufgrund seiner sonnigen Gitarren mit einem Grinsen im Gesicht durch die Gegend hüpfen möchte.

Zu verdanken haben Drip-Fed diesen Umstand auch Beau Burchell, der nach Platten von The Bronx und Underoath auch Kill The Buzz gemixt hat, sowie Grammy-Preisträger Alan Douches (u.a. Converge, The Dillinger Escape Plan, Torche), der fürs Mastering verantwortlich gewesen ist. Welten liegen also nicht nur zwischen der Produktionsqualität von Drip-Fed und Kill The Buzz, sondern auch zwischen der positiven Energie der Musik und den düsteren und introvertierten Texten von Blum. So handelt etwa der im Waschsalon geschriebene Opener Move Right Through Me ,,davon, sein Leben wie im Dunst wahrzunehmen und jeden Tag in solch einem Nebel zu verbringen, dass die voranschreitende Zeit absolut bedeutungslos für einen ist“. Moonlighting thematisiert dagegen die Zeit, in der sich Blum therapeutisch für seine Freunde aufgeopfert hat. Plötzlich ist dann auch eine mögliche politische Ebene vom Closer Turn On The White Noise nicht mehr fern. Ein Kraftakt für die Produzenten, ein Motivationsschub für die Rezipienten.

Kill The Buzz_cover

Label: I.Corrupt
VÖ: 26.03.2021

Genre: Hardcore, Punk, Rock’n‘Roll

Vergleichbar:
Clowns – Nature/Nurture
The Bronx – V

Wertung:
12/15

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Jonathan Schütz

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