Review: The Dirty Nil – Fuck Art

0

The Dirty Nil lassen die Prophezeiung wahr werden und gedeihen mit ihrem dritten Album endlich zu der unumgänglichen Gitarrenmacht, die schon immer in ihnen schlummerte.

Higher Power und Master Volume waren keine schlechten Alben, ganz im Gegenteil. Gute Songs gab es auf beiden Platten zur Genüge, dem Debütalbum als auch seinem Nachfolger waren aber jeweils Alleinstellungsmerkmal und Hitdichte etwas abhandengekommen. Während das kanadische Trio also bislang als Epigonen bezeichnet werden konnte, wird es mit Fuck Art endlich selbst zur stilprägenden Gitarrenband, an der sich zukünftig neue Bands werden messen lassen müssen. Das hat vielerlei Gründe, angefangen beim Thrash Metal des Openers Doom Boy. Während andere Bands ein Thrash-Metal-Riff eher als Gimmick in ihre sonst eher pop-punkige Musik einbinden würden, machen The Dirty Nil bei der Partizipation des im Bandkosmos neuen Genres ernst und lassen den Song in einem brachialen Thrash-Metal-Breakdown enden. Der Text von Frontmann Luke Bentham mit seinen Querverweisen auf Cro-Mags, Turnstile und Slayer tut sein Übriges – 2021 werden sich viele Bands die Zähne daran ausbeißen, einen ähnlich starken Albumopener wie Doom Boy zu schreiben.

Im folgenden Blunt Force Concussion greift Bentham zum ersten Mal auf Fuck Art zur Akustikgitarre, legt diese aber schnell wieder beiseite, denn für den vielleicht besten Refrain der Platte braucht es dringend wieder elektrische Verzerrung. Der Song greift am ehesten den Geist der ersten Weezer-Platten auf, klingt aber vor allem nach: The Dirty Nil. Das gilt auch für die folgenden neun Songs, die zu einem gewissen Grad den Punk-Spirit von Green Days Meisterwerk Dookie atmen, diesen aber in einen eigenständigen Sound übertragen und dabei nicht nur in Doom Boy nicht vor härteren Gitarren-Genres zurückweichen. Ride Or Die eröffnet mit einem an Metallica erinnernden Riff und To The Guy Who Stole My Bike entwickelt sich in der zweiten Songhälfte zu einem Fuzz-Inferno. Fuck Art steht also noch mehr zwischen den Stühlen verschiedener Gitarren-Genres als Higher Power und Master Volume.

Schubladenzuweisungen sind The Dirty Nil dabei ebenso fremd wie politische Adressierungen in ihrer Musik. Man kann auch ohne einen politischen oder sozialkritischen Überbau in den Texten Punk sein, wie es The Dirty Nil in One More And The Bill auf den Punkt bringen: „Gonna smash my TV, smash my phone/ Leave politics alone“. Abneigungen gegen Medien mit Suchtpotenzial ja, Zwang zur ständigen Auseinandersetzung mit dem Weltgeschehen nein. Die besten Alben sind doch sowieso die, zu denen wir Zeit und Ort vergessen, für die Dauer des jeweiligen Albums im Moment leben, die Kraft der Musik vollends aufsaugen und beschwingt durchs Zimmer oder die Weltgeschichte tanzen, als sei man gerade ganz alleine auf der Welt. Fuck Art ist so ein Album und dabei auch noch ohne jegliche Makel. Mindestens sieben der elf Songs sind Hits und auch für die anderen vier Songs würden manche Bands töten. Diese hier gehört in einer gerechten Welt ins Stadion.

0e719ee4561c4f85a7aaf05f5782feca_4a9ff362_0168_4407_81e5_7d92f4f5531d

Label: Dine Alone
VÖ: 01.01.2021

Genre: Punkrock, Alternative Rock, Garage Rock

Vergleichbar:
Green Day – Dookie
Pup – Morbid Stuff

Wertung:
14/15

 
 

Share.

About Author

Jonathan Schütz

Comments are closed.