Review: Dendemann – da nich für!

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Das Warten hat sich gelohnt: Dendemann untermauert mit seinem ersten Album seit fast neun Jahren seine Ausnahmestellung im deutschsprachigen HipHop.

Dass Daniel Ebel, wie Dendemann mit bürgerlichem Namen heißt, überhaupt noch sein drittes Studioalbum veröffentlicht, grenzt schon an ein kleines Wunder. da nich für! macht mit seinem Titel allerdings unmissverständlich klar, dass sich Dendemann nicht dafür feiern lassen möchte, endlich den Nachfolger von Vom Vintage verweht veröffentlicht zu haben. da nich für! entschädigt die lange Wartezeit ab der ersten Sekunde, wenn der entspannte, nach Nachtleben klingende Beat vom Opener Ich dende also bin ich einsetzt und Dendemann selbst in seine eigene Welt entführt, in der nach dem Ich-bin-wieder-da-Opener so viele verschiedene gesellschaftliche Spannungspunkte behandelt werden, dass man da nich für! getrost als das wichtigste deutsche HipHop-Album seit Hurra die Welt geht unter bezeichnen kann.

Einen massiven Anteil daran hat das Berliner Produzenten-Team The Krauts, das Dendemanns Rückkehr mit den vielseitigsten und kreativsten Beats ausstattet, auf denen deutscher HipHop seit Ewigkeiten aufgebaut hat. Dazu kommt die Verflechtung von zeitgemäßen Elementen wie der nuancierte Einsatz von Autotune und einem sagenhaften Oldschool-Feeling, begleitet vom unvergleichlichen Dende-Flow. Dieser ist in Müde auf seinem Siedepunkt, während Dendemann selbst von der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung ,,müde“ ist. Anstatt diesem Prozess nachzugeben, entscheidet sich der Wahl-Hamburger stattdessen für den offenen Schlagabtausch. Alle Jubilare wieder kotzt sich mit einem starken Feature von Casper über den Hedonismus der Berliner Party-Szene aus,Keine Parolen – dessen Hook an den Beginner-Song K.E.I.N.E. (1993) angelehnt ist, welcher damals wiederum auf den Slime-Song Keine Bullenschweine anspielte – kritisiert die Haltungslosigkeit einiger Wohlstandsbürger und in Menschine wird die Technisierung sowie die Ausbeutung in der Arbeitswelt mit folgender Einschränkung im Privatleben thematisiert.

Besonders in die Magengrube schlägt der Song Zauberland, welcher auf einem Sample des gleichnamigen Rio-Reiser-Songs basiert und die täglichen Dramen von Flüchtlingen vertont. Zeitumstellung lebt dagegen von seinem von Beatsteaks-Frontmann Armin Teutoburg-Weiss alias Teutilla gesungenen ,,Endlich wieder Zeit um Stellung zu beziehen“-Wortspiel im Refrain und macht sich gegen den steigenden Rechtspopulismus stark. Die thematische Düsternis wird erst spät durchbrochen, wenn BGSTRNG mit einem Beginner-Feature die aktuelle Popularität von Rapmusik feiert und Littbarski mit einem Zwinkern auf die bessere Hälfte von Dendemann und deren Ausgehfanatismus blickt, Trettmann-Feature inklusive. Nochn Gedicht verbindet zum Abschluss einen großartigen Jazz-Beat mit klugen Gedichts- und Floraanlehnungen (,,In meinem Garten da wachsen große Jamben und Trochäen/ Die andern behandeln die Pflanzen bloss wie Schlampen und Throphäen“).

Zeilen wie ,,Keine Haltung die nur stets im Weg ist/ Alles nix finales, Ergebnis, Tetris“ oder ,,Mama mia, ich würd‘ echt lieber chillen/ Aber Papa Staat hat die rechten Bazillen“, namenhafte Feature-Gäste, die ihr Potenzial ausschöpfen, beispielhafte Beats und ein kaum vergleichbarer Flow machen da nich für! zum Musteralbum des deutschsprachigen HipHop, während Dendemann allen Cloud- und Gangsta-Rappern zeigt, wer auch nach über 20 Jahren im Business noch die Krone trägt.

Dendemann

Label: Universal
VÖ: 25.01.2019

Genre: HipHop

Vergleichbar:
Beginner – Advanced Chemistry
The Streets – Original Pirate Material

Wertung:
13/15

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Jonathan Schütz

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