Review: Defeater – Defeater

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Die Tendenz, dass 2019 ein gutes Jahr für Post-Hardcore zu sein scheint, setzt sich weiter fort. Nach vier Jahren Pause melden sich auch Defeater zurück – mit einem Album, das simpler nicht hätte betitelt werden können.

Bei dem Namen für ihr neuestes Werk mussten Defeater wohl nicht lange überlegen. Es trägt schlicht und ergreifend den Namen der Band. Das klingt auf dem Papier erstmal nach einer Rückbesinnung, ja vielleicht sogar nach einem Rückschritt. Jedoch offenbaren die elf Songs Fortschritt: Nachdem Gitarrist Jay Maas, der sich zugleich als langjähriger Produzent der Band verantwortlich zeichnete,  die Band verlassen hat, haben sich die US-Amerikaner an Will Yip gewandt. Die Liste der prominenten Bands, mit denen Yip in der Vergangenheit zusammengearbeitet hat, ist lang: La Dispute, Code Orange, Pianos Become The Teeth oder Quicksand.

Und so wirkt sich auch der Produzentenwechsel auf den Sound des Albums aus. Derek Archambaults Gesang rückt etwas in den Hintergrund, bleibt aber trotzdem präsent im Gesamtmix. Die Instrumente klingen dagegen ausgefeilter, und drücken der ohnehin schon brachialen Musik ihren eigenen Stempel auf. Zunächst halten sich die US-Amerikaner bedeckt, The Worst Of Fates wie auch List & Heel bewegen sich im Midtempo, untermalt von einem gewohnt wütenden Archambault. Die Energie, die Defeaters Sänger in sich trägt, überträgt sich wenig später postwendend auf die Band: Atheists In Foxholes marschiert mit rotziger Punk-Attitüde und galoppierenden Drums los, um nur wenig später in einem Breakdown aus Gitarren-Feedback und wildem Getümmel zu münden.

Gerade Nostalgiker und Fans der ersten Stunden werden mit dem neuesten Output von Defeater zufrieden sein. Die Band war noch nie dafür bekannt große Experimente zu wagen und neue Wege einzuschlagen. Im Gegensatz zu La Dispute oder Pianos Become The Teeth, die gemeinsam mit Defeater eine „New Wave of Post-Hardcore“-Welle prägen, die in den früher 2010ern in den USA entstand, bleiben sich die US-Amerikaner ihren so charakteristischen Sound treu, loten ihn aber mit einem neuen Produzenten neu aus. Zwar sind Defeater weniger melodiös, vielleicht auch weniger ausgefuchst in ihrem Songwriting, wissen aber mit ihrer musikalischen Brechstange zu überzeugen, wie auch Stale Smoke zeigt. Der Bass wummert und drückt, hier und da wird mal eine Gitarre weggenommen, um später doppelt so wuchtig wieder zu drücken. Über allen steht weiterhin Derek Archambault, der seine schwarzmalerischen Bilder skizziert: „I lose sleep to keep the dreams from coming/ And stave off the pain/ That comes with their names /Drink deep to keep my heart from aching.” Defeaters selbstbetiteltes Album ist eine Wiederbelebung und Wiederholung von Altbewährtem, ohne dabei in Stagnation zu verfallen. Eine Kunst, die nicht viele Bands besitzen.

Defeater-Defeater-Cover

Label: Epitaph
VÖ: 10.05.2019

Genre: Post-Hardcore, Melodic Hardcore

Vergleichbar:
Modern Life Is War – Witness
Birds In Row – We Already Lost The World

Wertung:
11/15

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