Review: Cultdreams – Things That Hurt

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Kamikaze Girls heißen nun Cultdreams, seinem shoegazigen Post-Hardcore bleibt das Duo dagegen treu.

Das belgisch-britische Gespann gehörte 2017 mit seinem Debütalbum Seafoam zu den spannendsten Newcomern des Jahres. Sängerin und Gitarristin Lucinda Livingstone und Schlagzeuger Conor Dawson lullten sich darauf vor wärmenden Shoegaze-Öfen ein, beheizt mit schepperndem Post-Hardcore. Ihre Punk-Attitüde offenbarten Kamikaze Girls und insbesondere Livingstone mit melancholischen Texten über Selbstzweifel als auch Wutentgleisungen über Macker. Nachdem ein enger Vertrauter Livingstones sie auf die Problematik des Wortes ,,Kamikaze“ aufgrund dessen historischer Vergangenheit im Zweiten Weltkrieg hinwies, änderte das Duo seinen Namen in Cultdreams. Der neue Name ,,kann auf verschiedene Arten interpretiert werden, zum Beispiel, um sich von etwas zu befreien und sich selbst zu verbessern“, äußerte sich Livingstone anschließend zum neuen Bandnamen. Cult sei auch eine Abkürzung für die Kultur: ,,Die Ideen, Bräuche und das soziale Verhalten der Menschen.“ Laut Livingstone beziehe sich ,,ein Großteil des Themeninhalts auf der neuen Platte auf jede Ebene davon“.

Einer der Songs, der dies am Offensichtlichsten umsetzt, ist die Single Not My Generation. In aufgebrachtem Sprechgesang distanziert sich Livingstone unter anderem aufgrund der in ihrer Szene existenten Scham gegenüber Frauen von dieser. Diesen Gedanken trägt die Frontfrau in das schlicht, aber passend betitelte Statement weiter: ,,I swear if one more man from one more band touches one more of their fans, I’m gone. I hang up my guitar“. Deutlicher hat sich bislang kaum ein/e Musiker/in zum #metoo-Skandal geäußert. Als Britin erlebt Livingstone zudem den Brexit-Wahnsinn hautnah mit, was sich ebenfalls in Not My Generation niederschlägt: ,,The country that we live in is fucking up everything“. Diese angestaute Wut entlädt sie in einem wütenden Refrain, der an Petrol Girls und deren Frontfrau Ren Aldridge erinnert. Wie die österreichisch-britische Post-Hardcore-Band auf ihrem zweiten Album Cut & Stitch pendeln auch Cultdreams auf ihrem zweiten Album Things That Hurt zwischen lauten und ruhigen Polen, was bei Petrol Girls Spoken-Word-Passagen und von Wut angetriebende Post-Hardcore-Ausbrüche sind, stellen bei Cultdreams atmosphärische Shoegaze-Passagen und flirrender Post-Rock bis Post-Hardcore dar.

Kernstück des Albums ist sicherlich das ebenfalls vorab veröffentlichte We Never Rest, dessen Titel schon als Kampfansage zu verstehen ist und dessen traumhaften Refrain Katie Dvorak und David F. Bello von The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die ihre Stimmen leihen. Diese Quelle der Hoffnung und des Selbstwertgefühls überstrahlt neben all den düsteren Geschichten Livingstones Things That Hurt. Vielleicht braucht es gerade diesen vorsichtigen Optimismus, um alle gesellschaftlichen, sozialen und politischen Hindernisse überwinden zu können.

Cultdreams - Things That Hurt - Artwork

Label: Big Scary Monsters
VÖ: 16.08.2019

Genre: Post-Hardcore, Shoegaze, Post-Rock

Vergleichbar:
Petrol Girls – Cut & Stitch
Muncie Girls – Fixed Ideals

Wertung:
13/15

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Jonathan Schütz

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