Review: Cadet Carter – Perceptions

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Die Erwartungshaltung von Frontmann Nick Sauter hätte seiner Band Cadet Carter fast den Wind aus den Segeln genommen. Stattdessen haben die Deutsch-Waliser den selbstauferlegten Druck Sauters in ihr zweites Album kanalisiert.

Mit seinem nach der Band benannten Debütalbum fand das in München beheimatete Quartett Anfang 2018 viel Anklang in der heimischen Indie-Punk-Szene. Als die Band im Sommer des vergangenen Jahres mit den Arbeiten am zweiten Album beginnen wollte, machten sich die Erwartungshaltung und der Druck in Form von Schreibblockaden bei Sauter breit. Nachdem er der Musik für drei Monate abschwor, schrieb er eines Abends auf seiner Akustikgitarre den Song A Bad Few Weeks, der von da an das lyrische Gerüst für Perceptions bilden sollte, bereits im eröffnenden Titeltrack Erwähnung findet und folglich auch als erste Single des Albums veröffentlicht wird.

Umrahmt wird der Song von elf weiteren Stücken, die fest im Alternative- und Emo-Sound der 90er-Jahre verankert sind und sich mit unterschiedlichen Blickwinkeln und Wahrnehmungen auseinandersetzen und wie sich diese im Verlauf der Zeit ändern können. Gereift sind dagegen die Songwriting-Qualitäten von Cadet Carter. Wo sich das Debüt mit neun Songs über 32 Minuten noch relativ forsch gebar, ist Perceptions drei Songs und eine Viertelstunde länger und gibt den Songs mehr Zeit zum Entfalten. Das hat zur Folge, dass Perceptions neben treibenden Alternative-Rock-Nummern auch einige Balladen parat hält, die an Jimmy Eat Worlds Meilenstein Clarity geschult sind. Wie befreiend der geplatzte Songwriting-Knoten für Sauter gewesen sein muss, hört man seinem leidenschaftlichen Gesang zudem jederzeit an und in Windshields und End – Begin setzt der Sänger und Gitarrist sogar seine Kopfstimme ein.

Erfolgt im Opener Perceptions noch die Akzeptanz der zu behandelnden Probleme, ist der Closer Who You Are die finale Stufe der Katharsis und die Abrechnung mit den im Leben manchmal auftretenden dunklen Gefühlen. Cadet Carter haben also nicht nur die Schreibblockade ihres Frontmanns überwunden, sondern sind auch daran gereift und reihen sich fortan neben Bands wie Spanish Love Songs oder The Deadnotes als Epigonen der Alternative-90er ein.

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Label: Uncle M
VÖ: 08.05.2020

Genre: Emo, Alternative Rock, Punkrock

Vergleichbar:
Jimmy Eat World – Clarity
Spanish Love Songs – Brave Faces Everyone

Wertung:
10/15

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Jonathan Schütz

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