Review: The Bronx – Bronx VI

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Von wenigen Bands lässt man sich so gern die Fresse polieren, wie von The Bronx und ihrem hymnischen Hardcore-Rock’n’Roll. Wurde man 2003 auf ihrem Debüt noch von der brachialen Wut überrollt, weiß man fünf Alben später, wann die Kinnhaken kommen.

The Bronx, erste Platte und frühes Meisterwerk des Quintetts aus Los Angeles, klingt wie tollwütige Hot Water Music mit den Mitteln und Riffs des klassischen Schweinerock, und ist ein Paradebeispiel für in Musik gegossene Aggressivität und Brachialität. Nicht umsonst gilt es als Inspirationsquelle für zahlreiche Bands, beispielsweise für die fantastischen Clowns aus Melbourne. Seitdem pflegen The Bronx ihr Image als charmante Straßengang, die dir erst die Zähne aus der Mundhöhle drischt, um anschließend eine Selbstgedrehte in die entstandene Lücke zu schieben. Die fünf Nachfolger, VI eingeschlossen, orientieren sich alle an diesem Schlagmuster, ohne an Intensität und Qualität des Erstlings heranzukommen. Vor diesem Schicksal kann sich auch das von Joe Barresi (Queens Of The Stone Age, Tool) produzierte VI nicht retten. Das ist nicht weiter schlimm, scheint es so, als würden The Bronx gar nicht erst versuchen, sich selbst zu toppen. Hat man sein Opus Magnum bereits hinter sich, reicht es, sich darauf zu konzentrieren, gute Songs zu schreiben. Und das können sie nach wie vor, wie der Opener und erste Vorabsong White Shadow beweist. Das ist Motorradlederjackenpunkrock mit Gang-Shouts im Refrain und saftigen Gitarrensoli. White Shadow sei laut Frontmann Matt Caughtran „CLASSIC FUCKING BRONX”. Der Slogan passt wie die Faust aufs Auge und ließe sich auch auf SuperbloomCurb Feelers, High Five, New Lows (bockstark!) oder Breaking News anwenden.

Watering The Well und das in seiner Rhythmik offensichtlich von dem Band-Nebenprojekt Mariachi El Bronx beeinflusste Mexican Summer stehen hingegen für die melodische, sonnendurchflutete Seite, die sich bereits auf dem Vorgänger V (2017) mehr und mehr Bann brach. Die Zeiten, in denen bedingungslos durchgeknüppelt wird, sind vorbei. Das ist schade, Life Less Ordinary auf IV (2013) hat aber gezeigt, dass Geschwindigkeitsverlust nicht automatisch Qualitätsverlust bedeutet. Gerne hätte man eine weitere Straßenköterballade in diesem Stil gehört und stattdessen auf das stadionrockigartige und halbgar klingende Peace Pipe verzichtetHalbgar passt nicht zu einer Band, die seit jeher die Ganz-oder-gar-nicht-Attitüde einer Straßengang verkörpert. Wird VI in der Diskografie nicht herausstechen, nimmt das Album für The Bronx eine besondere Rolle ein, da es die erste Platte ist, zu der alle Bandmitglieder Ideen und Songs beigesteuert haben. Eventuell ein Grund für die vermehrte Präsenz von Gitarrensoli. Sonst ist alles beim Alten, und The Bronx auf dem besten Weg zu den AC/DC des Hardcore-Rock’n’Rolls zu werden.

TheBronx_Albumcover

Label: Cooking Vinyl/Sony
VÖ: 27.08.2021

Genre: Hardcore-Punk, Rock’n’Roll

Vergleichbar:
The Hives – Tyrannosaurus Hives
New Bomb Turks – At Rope’s End

Wertung:
11/15

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