Review: Boreas – Dunkelbunt

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Mit ihrer Debüt-EP Dunkelbunt platzieren sich Boreas aus Nordrhein-Westfalen zwischen Punk und Alternative als vielversprechende Hoffnung für die Zukunft.

David Frings zählt zu den umtriebigsten Musiker*innen der deutschen Alternative-Szene. Bis in die frühen 2010er Jahre war er als Sänger und/oder Gitarrist bei den Bands Longing For Tomorrow, Kosslowski und Nora Yeux tätig, um im Anschluss mit Fjørt die vielleicht beste deutschsprachige Post-Hardcore-Band der letzten Jahre zu gründen und den ehemaligen Escapado und Frau-Potz-Sänger Felix Schönfuss bei den Deutschpunks Adam Angst als Gitarrist zu unterstützen. Was Frings mit Boreas zu tun hat? Im Grunde genommen gar nichts, jedoch ist er in der deutschen alternativen Musiklandschaft der Musiker, dessen Bands am Meisten den Sound von Boreas atmen. Das hat vielerlei Gründe: Der offensichtlichste ist der Gesang von Boreas-Frontmann Chris Geiß. Wie er im Album-Opener Kehrseite (das Intro Prolog ausgenommen) mit höchster lyrischer Finesse gegen Xenophobie wettert, hätte auch Schönfuss nicht besser über die Lippen gleiten können, obwohl man dem Quartett noch anhört, dass es sich erst im vergangenen Jahr in der aktuellen Besetzung zusammengeschlossen hat.

Ein weiterer Grund ist das Gitarrenspiel von Julius Krämer. Dieser bedient sowohl „einfaches“ Punk-Riffing im Stil von Adam Angst als auch post-rockigen Hall, wie man ihn eben von Fjørt oder auch Heisskalt gewöhnt ist – oftmals in reziproker Ausführung – und bedient sich in Monster eines Tom-Morello-Solos. Zudem etablieren sich Boreas schon mit ihrer ersten Veröffentlichung als Band mit Haltung. So hat die Gruppe das Musikvideo zu Kehrseite am Mahnmal für den nationalsozialistisch motivierten Brandanschlag von 1993 in Solingen gedreht und spendet die Einnahmen des Depressionen-thematisierenden Impuls an die Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Darüber hinaus präsentieren sich Boreas auf Dunkelbunt als äußerst facettenreiche Newcomer. Kontrast schielt durch sein virtuoses Gitarrenspiel in den Strophen in Richtung von The Intersphere und den Refrain von Monster hätten auch Die Ärzte zu Beginn ihrer Karriere so schreiben können. Zudem können nicht viele Newcomer-Bands von sich behaupten, ein solch tolles Artwork wie das des senegalesischen Ölgemälde-Künstlers Baba Ly für ihre Debüt-EP verwendet zu haben. Würden wir gerade nicht in einer weltweiten Pandemie stecken, Boreas wären mit Dunkelbunt perfekt im Vorprogramm der bis hierhin genannten deutschen Bands aufgehoben.

Boreas Dunkelbunt EP Artwork_by Baba Ly

Label: Eigenvertrieb
VÖ: 02.10.2020

Genre: Punkrock, Post-Hardcore

Vergleichbar:
Adam Angst – Adam Angst
Heisskalt – Vom Stehen und Fallen

Wertung:
11/15

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Jonathan Schütz

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