Review: Blackout Problems – Kaos

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Die Blackout Problems verarbeiten mit ihrer neuen Platte ihr Gefühls“kaos“ der letzten zwei Jahre – musikalisch zeigen sie sich dafür umso aufgeräumter.

2016 gelang den Münchenern mit ihrem ersten Album “Holy”, das klug Alternative Rock und Post-Hardcore miteinander verband, ein kleiner Überraschungserfolg. Während sich zwölf der 13 darauf enthaltenen Songs mit den bedenklichen gesellschaftlichen Entwicklungen unserer Zeit wie Klassenkampf zwischen Arm und Reich und Homophobie auseinandersetzen, richtet “Kaos” den Blick nach innen. Dort sieht es allerdings nicht viel rosiger aus: Hoffnungslosigkeit, Resignation und Kontrollverlust ziehen sich als Themenkomplexe  durch die Platte.

Anstatt die Wut und Verzweiflung in musikalische Aggressivität zu übersetzen, geben sich die Blackout Problems zurückhaltender und setzen vermehrt auf schwebende Gitarrensounds, rhythmische Schlagzeug-Beats und Samples – wodurch eine starke Intensität entsteht: Das gleichbleibende, vom stoischen Drumcomputer durchzogene “Kontrol” macht den geschilderten Kontrollverlust besonders deshalb erfahrbar, weil sich die Leadzeile „You make me lose kontrol“ nicht hinter einem Berg aus Gitarrenwänden versteckt, sondern von Sänger Mario Radetzky energisch, aber klar vorgetragen wird. Der durch das tänzelnde Schlagzeug pulsierende Titeltrack gibt sich ähnlich atmosphärisch, um dann hymnisch auszubrechen. Auch “Limit” und “Charles” agieren nach dem “In der Ruhe liegt die Kraft”-Prinzip. Elektronische Elemente, sich langsam aufbauende Melodiestrukturen und Gitarrenflächen hat das Quartett schon auf ihren vorherigen Veröffentlichungen benutzt, auf “Kaos” formulieren sie diese aber weiter aus. Mit Ausnahme der opulenten Ballade “Holly”, gelingt es ihnen dabei den Kitsch weitestgehend zu umschiffen.

Der treibende Opener „How Are You Doing“, das gradlinige “Difference” und das vor Kraft strotzende  ”Queen”, in dem sich Radetzky sogar einen Schrei entlocken lässt, schlagen die Brücke zu dem Sound des Vorgängeralbums und werden auf Konzerten bei Bewegungsfetischisten für Freude sorgen.
Mit “Kaos” haben Blackout Problems sich weiter entwickelt und eine Platte erschaffen, die gekonnt die elektronische Verspieltheit der Leoniden mit der Hymnenhaftigkeit à la Boysetsfire verbindet.

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Label: Munich Warehouse / Cargo Records
VÖ: 15.06.2018

Genre: Indierock, Alternative Rock, Post-Hardcore

Vergleichbar:
Leoniden – “Leoniden”
Apologies, I Have None – “Pharmacie”

Wertung: 12/15

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