Review: Black Peaks – All That Devides

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Seit geraumer Zeit machen vier Herren aus Brighton Lärm, der schon im Vorprogramm von Deftones oder auch A Perfect Circle Einzug gehalten hat. Warum das Zweitwerk von Black Peaks ein weiser Schritt nach vorne ist, lest ihr hier.

Nach einem enorm guten Start mit “Statues” gilt es zwei Jahre später, noch mehr Gas zu geben. Und das findet man auch bei “All That Divides” direkt vor: “Can’t Sleep” baut sich aus dem Nichts mithilfe von antizipierender Rückkopplung stringent zu einem den gesamten Albumsound einfangenden Klangmonster auf. Frontmann Will Gardner offenbart bereits hier seine stimmliche Vielfalt, die im Laufe des Albums immer wieder von anderen Seiten beleuchtet wird. So wird schnell zwischen ruhig gehaltenen Passagen zu Screams gewechselt, die so auch von Chino Moreno (Deftones) oder Sam Carter (Architects) hätten kommen können. Gemeinsames Touren mit Helden zahlt sich doch eben aus. Weiterhin beeindruckt auch die durchsichtige, aber drückende Produktion, die alle Instrumente sauber voneinander trennt und pro Hördurchlauf die Konzentration auf einzelne Facetten der CD erlaubt. Gitarrist Joe Gosney stützt sich im Verlauf der neun Lieder sehr auf einen angezerrten Sound mit Raum zur Frickelei in den höheren Bünden. Trotz des sehr dicht besiedelten Klangspektrums findet jeder Musiker seinen Platz, wobei nur an komplexem Bassspiel gespart wurde. Wirklich negativ anrechnen kann man dies dennoch nicht, da so wesentlich mehr Dynamik kreiert werden kann, wie zum Beispiel in der Bridge von “The Midnight Sun”. Effektiv eingesetzte Melodieführungen und konstruktive Build-Ups zählen zu den größten stärken von Black Peaks und ziehen sich, gleichend eines roten Fadens, durch das gesamte Werk.

Faszinierend ist weiterhin die Kurzweil, die den doch schon längeren Liedern einen starken ‘Flow’ verleiht. Selbst überdimensionale Ideen im sechsminütigen Bereich wirken nicht schleppend und werden mit kleineren Übergängen von Song zu Song scheinbar mühelos verbunden – dank dieser Tatsache wirkt “All That Divides” mit seinen 9 Teilen trotzdem wie aus einem Guss. Dennoch scheint alles zur Vorab-Single “Electric Fires” hinzuführen. Ein wilder Sprint zwischen Dillinger Escape Plan, großartigem Melodieempfinden und brutalem Wiener Waltzer prägt eines der stärksten Lieder der Platte. Nach diesem ersten Highlight werden mit “Aether” oder auch “Across The Great Divide” längere instrumentale Passagen in den Vordergrund gerückt, und mit Erfolg: Ersterer Song demonstriert eingängiges und zugleich technisch verzwicktes Songwriting (siehe Tool), während letzterer seinen Schwerpunkt in dynamischem Gitarrenspiel hat.

Als kleinen Minuspunkt kann man die konstante Verwendung von entweder triolischen Rhythmen oder 6/8 Takten bemängeln, die nach 6 Songs ein wenig zu wiederholend wirkt. Weiterhin steht das Halb-Brüllen Gardners zu Beginn von “Home” nicht der Klangästhetik der entspannten Clean-Gitarren, was aber wenig später direkt durch eine Mixtur aus brachialem Post-Hardcore und melodischen Strophen aufgebrochen wird.
Black Peaks beenden ihr Zweitwerk mit “Fate I&II”, einem Zweiteiler, der merklich alle Facetten der Gruppe noch einmal schön zusammenfasst und abliefert. Von Riffgewittern bis hin zur atmosphärisch anbiedernden Streicher- und Chorpassage hält das Lied sein Versprechen als adäquates Schlusskapitel zu einem Album mit hohem ‘Replayfaktor’.

Black Peaks bieten auf ihrem Zweitwerk ein noch ausgefeilteres Konzept, welches sich vom reinen Mathcore hin zu anderen Musikrichtungen öffnet und somit auch Gefallen bei Fans von Alternative Metal Giganten wie Deftones oder auch der Ex-Formation Arcane Roots finden dürfte. Textlich beschäftigt sich der Longplayer mit Themen wie dem Brexit, gesellschaftlichem Zwiespalt und allem, was Menschen voneinander trennt. Dennoch ist mit diesem guten Album längst nicht das ganze Potenzial der Band ausgeschöpft und lässt Raum für noch mehr Experimentierfreude auf der nächsten LP, welcher wir bereits mit viel Antizipation entgegenblicken.

Weiterhören:
Deftones – “Koi No Yokan”
A Perfect Circle – “Eat The Elephant”

Wertung: 12/15

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Alex Loeb

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