Review: Architects – Holy Hell

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Ein wenig mehr als zwei Jahre nach dem tragischen Tod Tom Searles kehren die britischen Architects auf Holy Hell mit ihrem wohl bahnbrechendsten Album ihrer Karriere zurück. Warum trotz der Abwesenheit eines der wichtigsten Bandmitglieder hier Metalcore der ersten Liga zu hören ist, erfahrt ihr bei uns.

Womöglich jede andere Band hätte das mit der Musik an den Nagel gehängt, aber eben nicht Architects: Das Quintett um Frontmann Sam Carter eröffnet sein bereits achtes Werk mit einer Hommage an das streicherlastige Ende von “Memento Mori” (zu hören auf dem Vorgänger All Our Gods Have Abandoned Us). Differenzierter als der Großteil vorheriger LPs wird auf der neuen Platte sehr viel mit Orchestersounds und alternativen Synthesizern experimentiert. Was 2016 zuletzt noch ein wenig deplatziert und recycelt wirkte ist hier nun ausgereift und besser an den Gesamtsound der Gruppe angepasst. Weiterhin ist anzumerken, dass die Produktion sowohl der einzelnen Instrumente als auch Carters Gesang / Screams unaussprechlich großartig ist. Brachialer als in beispielsweise “Mortal After All” oder dem Zwei-Minuten-Sprint “The Seventh Circle” klangen Architects, wenn überhaupt, nur auf “These Colors Don’t Run” (Daybreaker, 2012) härter. Lässt aber einmal das Kräftemessen vollkommen außen vor, so offenbaren sich stark durchdachte und kompositorisch wertvolle Stücke, die melodische Komponenten und Leadgitarren mit prägnanten Riffs zu vereinigen wissen (z.B. “Holy Hell” oder auch “Mortal After All”). Der Neuzugang Josh Middleton ist hier hervorzuheben, da er den undenkbar schweren Job als Ersatz für Searle mit Bravur meistert und der Band sogar frische Ideen liefern kann.

Ein separater Aspekt ist die stimmliche Leistung, die Sam Carter schon auf verschiedensten Bühnen zum Besten gebracht hat. Auf dem neuesten Werk jagt dieser seine Stimmlippen in abartige Höhen und bleibt trotzdem stark, während er dem Zuhörer eine Hook nach der anderen ums Ohr haut. Zu den Highlights in diesem Spektrum zählt das vorab veröffentlichte “Doomsday”, welches treibend und eingängig zum Hören einlädt und sich nach kurzer Zeit schon zu einem Fanliebling im Liveset entwickelt hat. Es wäre gewagt zu behaupten, dass die neuen Lieder live nicht funktionieren würden da bei den einfallsreich gestalteten Refrains mit Texten bezüglich Searles Tod kein Auge trocken bleibt. Was womöglich auch ein nach innen gekehrtes, sanftes Album hätte sein können ist final in einem langen Wutausbruch ausgeufert – also dem Musikfeld, welches Architects am Besten beherrschen. Ein kleiner Kritikpunkt ist die klare Fixierung auf einen bestimmten Sound, welche die Band für zukünftige Ideen ein wenig einschränkt aber zugleich auf eine noch extensivere Ausdehnung ihres Klangbildes hoffen lässt.

Waren die Männer aus Brighton 2015 noch Support bei Parkway Drive, sind sie nun selbst in der Lage, riesige Hallen zu bespielen und ihre wichtige Message an die Massen zu tragen. Ganz getreu der in “Doomsday” integrierten Phrase “Death is an open door” ist “Holy Hell” in allen Bereichen ein großer Schritt nach vorne und der Fels in der Brandung, wenn es für das Projekt darum geht, auch nach einem tragischen Verlust stark weiterzumachen. Tom Searle wäre stolz.

Label: Epitaph
VÖ: 9.11.2018

Genre: Metalcore

Vergleichbar:
Architects – “All Our Gods Have Abandoned Us”
Parkway Drive – “Atlas”

Wertung: 14/15

Und so hört sich das an:

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Alex Loeb

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