CD-Review: Arcane Roots – Heaven and Earth

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In einer Ära in der alternative Musik hauptsächlich aus Bands besteht, welche sich darauf verlassen, in Genres zu passen, verkörpern Arcane Roots Fortschritt und Individualität beim Musikmachen in Hochform.

Mit der Kreation des von Fans und Kritikern gelobten Debuts ‚Left Fire’ im Jahr 2011 haben Arcane Roots mit einem donnernden Stampfen die Musikwelt auf sich aufmerksam werden lassen: Unerbittliche, mathartige Riff Extravaganz, welche den Zuhörer um seinen Verstand bringt, dominierten den Sound des Trios. Durch weiteres Experimentieren mit verschiedensten Musikrichtungen auf dem Nachfolger ‚Blood and Chemistry’ im Jahr 2013 wurde schließlich der Weg zu größeren Horizonten eröffnet, nicht zuletzt durch Europatouren mit Muse, Biffy Clyro und Enter Shikari.

Wir spulen vor zum Jahr 2015 und sehen eine andere Band vor uns. Trotz ihrer Mischung von weitläufig unterschiedlichen Genres wie Indie, Post-Hardcore und Progressive Rock scheinen Arcane Roots einen Weg gefunden zu haben, einem größeren Publikum zu gefallen, ohne dabei ihre üppige Liebe für unerwartete Breakdowns zwischen Mitsingrefrains aufgeben zu müssen.

‚Heaven & Earth’, die neueste Veröffentlichung der Band, beginnt mit der Single ‚If Nothing Breaks, Nothing Moves’. Nach einer Eröffnung durch ein legato gespieltes Klavierintro, welches das Hauptthema der EP vorstellt, gibt Sänger Andrew Groves seine markante Stimme zum besten anhand eines Refrains, welcher das laute Mitsingen geradezu impliziert. Der Messlatte wird also von Beginn an hoch angelegt. Durchweg marschierend mit dauerhafter Energie und unerwarteten Wendungen scheitert der erste Song nie daran, den Hörer von der Songstruktur zu überraschen.

Das Energieniveau wird ein wenig zurückgeschraubt bei ‚When Did the Taste Leave Your Mouth’, einem Lied welches, begleitet von einem Chor und unterstützenden ‚Woahs’, den vielschichtigen Sound der Band portraitiert. Spätestens hier fällt auf, wie brillant die Songs geschrieben sind, da jede Melodie sich direkt in das Gedächtnis des Zuhörers einbrennt.

Sogar in den ausgereifteren, entspannteren Momenten bei Songs wie ‚Leaving’ oder ‚Slow Dance’ findet die Band dennoch einen Weg, ungerade Taktarten und glänzende Gitarrenleads über dem Lärm schweben zu lassen, was insgesamt einen gigantischen Sound kreiert der beizeiten den Eindruck erweckt, die Welt ginge unter. Besonders stark sichtbar werden die Kontraste jedoch in Stücken wie ‚Slow Dance’: Der einlullende Gesang (ähnelnd Passengers ‚Let Her Go’) steht der atemberaubenden Härte von Groves oktavierten Gitarrenparts gegenüber, welche die Vielfalt der Aufnahme bestärkt.

Die EP endet mit einem positiveren ‚Vows & Ceremony’, dem einzigen Song in einer Dur Tonart und einer zauberhaften Gesangsmelodie, welche das fröhliche Mitwippen beim Zuhörer von Beginn an initiiert. In seinen letzten Minuten und langsamen Schluss kann in der Instrumentierung weiterhin das zu Beginn der CD vorgestellte Klaviermotiv und seine Akkordfolge wiedergefunden werden, was den fünf Stücken einen wohl durchdachten kompositorischen Rahmen verleiht.

Alles in allem kann man sagen, dass Andrew Groves im Vergleich zu früher die meisten seiner geschrienen Parts aufgegeben hat für einen größeren Fokus auf eindrucksvolle Gitarrenarbeit und eingängige Hooks. Dies wirkt sich jedoch positiv auf das Klangbild aus, da die Stücke nicht mehr überladen oder verwirrend wie einst wirken. Außerdem geht keineswegs die Härte verloren: Mit einer Laufzeit von etwa 30 kurzweiligen Minuten stellt ‚Heaven & Earth’ ein kompaktes Powerpaket dar, ohne zu enttäuschen. Vielmehr kann es in seiner Abwechslung überzeugen und lässt den Hörer am Rand seines Stuhls vor Erwartung neuen Materials warten.
An dieser Stelle sind noch Schlagzeuger Daryl Atkins und Bassist Adam Burton zu erwähnen, welche dem Klangspektrum mit Groove und technisch versiertem Spiel beisteuern und eine progressive Band komplettieren, nach der man Ausschau halten sollte. Man darf gespannt sein, welchen Pfad die Band auf den kommenden Alben einschlagen wird.
Was man jedoch sicher sagen kann ist, dass Arcane Roots mit ihrem bisherigen Schaffen bereits eine Liedauswahl besitzen, welche ihnen zum Headliner Status in Großbritannien helfen könnte – und dies völlig zurecht.

Das Album ist ab dem 16.10.2015 via Easy Life/Sony Red erhältlich.

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Alex Loeb

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