Review: Angel Du$t – YAK: A Collection Of Truck Songs

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Angel Du$t klingen noch immer so, als würden Turnstile ihre Songs in der Tonight Show von Jimmy Fallon mit den Classroom Instruments vortragen. Und das ist gut so.

Der Vergleich kommt nicht von ungefähr: Angel Du$t sind das vor knapp zehn Jahren gegründete Nebenprojekt von Mitgliedern der Hardcore-Bands Turnstile und Trapped Under Ice, die beide aus Baltimore, Maryland stammen. Mit ihrem dritten Album Pretty Buff hatte die Band 2019 ihren Sound ausgeweitet: zwar fließt durch einen Großteil der 13 Songs die Energie des Hardcore, was sich auch in den Strukturen der Songs festmacht, jedoch nehmen Angel Du$t dafür beispielsweise eine Akustikgitarre anstelle einer elektrischen in die Hand. Gleichermaßen hat sich die Supergroup auch ruhige Töne getraut, allen voran in der Saxophon-lastigen Ballade Take Away The Pain.

Auf dem Nachfolger YAK: A Collection Of Truck Songs ist es nun andersherum: hier überwiegen die ruhigen Töne, während die kraftvollen Songs, die mit einer anderen Instrumentierung wüste Moshpits evozieren würden, eher die Ausnahme bilden. Das liegt daran, dass Angel Du$t einerseits zum Schreiben ihrer Songs noch stärker auf Akustikgitarren zurückgegriffen haben und andererseits teils recht ernste Töne anschlagen – zumindest musikalisch. Zwar geht All The Way Dumb ein selbstironisches Outro im vorherigen Song No Vacancy voraus, der Song bleibt aber eher seriös und kann lyrisch auch als Kritik an unbelehrbaren Menschen respektive Fake News verstanden werden. Never Ending Game ist dagegen einer der druckvolleren Songs und fährt im Anschluss an seinen Refrain etwas Krach auf, bleibt aufgrund seiner Britpop-Instrumentierung aber eher zahm. Das gilt auch für das anschließende No Fun, während im Country-esken Truck Songs in Phasen sogar wirklich ein Moshpit entstehen könnte.

Bis auf das flotte und verspielte Cool Faith schlagen die übrigen Songs zurückgelehnte Töne an. Dancing On The Radioholt dafür sogar Rancid-Frontmann Tim Armstrong zur Liegestuhl-Party dazu, wohingegen Angel Du$t in YAK und Love Is The Greatest zum Saxophon greifen. Dabei gelingt Angel Du$t das Kunststück, auf ihrem vierten Album vom beschwingten Opener Big Bite bis zum abschließenden Turn Off The Guitar eine Achterbahnfahrt an Gefühlen hinzulegen, die einen trotz des vor Melancholie strotzenden Closers mit einem wohligen Gefühl zurücklässt. Mit Hardcore hat das hier zwar nichts mehr zu tun, dafür scheinen Angel Du$t nun endgültig zur eigenen Band ausgewachsen zu sein und bleiben dabei trotzdem so charmant wie das ulkige Wesen auf dem Cover.

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Label: Roadrunner
VÖ: 22.10.2021

Genre: Britpop, Indierock, Pop-Punk

Vergleichbar:
Viagra Boys – Welfare Jazz
Turnstile – Glow On

Wertung:
11/15

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Jonathan Schütz

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