Review: Adam Angst – Neintology

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Adam Angst zeigen sich auf ihrem zweiten Album musikalisch weniger bissig als auf dem 2015 erschienenen Debütalbum, lyrisch dafür umso aufgeräumter.

Adam Angst ist nach Escapado (2009-2011) und Frau Potz (2007-2013) das bereits dritte Bandprojekt von Sänger Felix Schönfuss, zugleich aber die erste Band, mit der er zwei Alben veröffentlicht. “Neintology“ folgt auf das nach der Band benannte Debütalbum von 2015 und der vergangenes Jahr mit den Donots veröffentlichten Split-EP “Wir werden alle sterben“. Schönfuss nimmt weiterhin kein Blatt vor den Mund und kritisiert so ziemlich alles, was gesellschaftlich und politisch in Deutschland falsch läuft. Nach dem Opener “Der Beginn von etwas ganz Großem“, der sich mit Synthesizer-Klängen behutsam aufbaut, kreieren Adam Angst in “Punk“ zunächst eine Persiflage auf sich selbst, ihre Kritiker und das Genre: ,,Wenn ich Adam Angst schon höre/ Dann platzt mein Trommelfell/ Ihr seid mir viel zu aufgesetzt und zu professionell“ oder ,,Und feuert euren Sänger diesen irgendwas mit Fuß/ Frau Potz wurde ermordet für ‘ne Boyband mit Tattoos“. Eingebettet wird die Ironie in Oh-Oh-Chöre und simplen Punkrock, das folgende “Alexa“ gestaltet sich dafür deutlich abwechslungsreicher mit einem Wechsel zwischen ruhigen Strophen, aufbauendem Pre-Chorus und schepperndem Refrain, während Schönfuss Kritik an Smart Speakern übt und den Erwerb des gleichnamigen technischen Hilfsmittels mit einer Adoption vergleicht.

“Alle sprechen Deutsch“ führt die Geschichte des Songs “Splitter von Granaten“ (vom Debütalbum) weiter, anstelle eines Facebook-Feeds gibt’s nun einen Instagram-Stream, an den der Songtext angelehnt ist. Dieser kritisiert den – auf dem wirklich existierenden Profil “flieh_von_hier“ anzutreffenden – deutschen Nationalstolz, Eskapismus sowie Traditionen und Klischees von Vaterlandliebe. Zu den musikalisch bissigeren Songs gehört “D.I.N.N.“ – kurz für “Dich immer Nazi nennen“ – während “Damit ich schlafen kann“ die Kitschkeule schwingt, gegen die sich die Band noch auf ihrem Debüt mit dem Song “Altar“ gewehrt hat. “Immer noch“ erzählt die Geschichte einer Außerirdischen-Landung in ,,Hahn bei Wuppertal“ und den damit auftretenden Problemen, die allesamt von der deutschen Seite ausgelöst werden – vergleichbar mit der Flüchtlingskrise. Diese ist auch Thema im finalen “Physik“, das sich um Mediennutzung durch Rechte dreht, die Flüchtlingsdebatte umdreht und Nazis in die Flüchtlingsrolle packt: ,,Alles braun/ Alles stinkt/ Alles zu gekotet/ Hättest du mal nicht so viel Scheiß gepostet“. “Neintology“ wandelt auf einem musikalisch mittelmäßigen Pfad. Die humorvollen, aber ernsten Texte von Schönfuss sind das, was die Musik des Quintetts ausmacht und sie deswegen umso wichtiger werden lässt. Wir sind mehr.

Adam-Angst_Neintology-Cover

Label: Grand Hotel van Cleef
VÖ: 28.09.2018

Genre: Punkrock, Indierock, Pop

Vergleichbar:
Donots – “Lauter als Bomben“
Kettcar – “Ich vs. Wir“

Wertung: 10/15

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Jonathan Schütz

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