Review: 24/7 Diva Heaven – Stress

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24/7 Diva Heaven etablieren sich mit ihrem Debütalbum Stress als musikalischer Hafen für alle nationalen als auch internationalen Musikfans, die auf fuzzy Gitarrenriffs stehen, gerne in Palm Desert Urlaub machen, sich in ihrer Musik mit sozialgesellschaftlichen Themen auseinandersetzen und keinen Bock mehr haben, nur noch weiße Männer singen zu hören.

Szenekenner*innen sind die Berlinerinnen schon seit Pre-Corona-Zeiten bekannt. Während des bislang letzten Festivalsommers spielt das Trio 2019 neben Größen wie Fu Manchu oder All Them Witches in seiner Heimat auf dem Desert Fest und tritt auf dem Erfurter Stoned From The Underground neben Bands wie Yawning Man oder Weedpecker auf. Wüsste man es nicht besser, würde man 24/7 Diva Heaven ebenfalls international verorten, denn so geschmeidig wie die Hauptstädterinnen haben in den letzten Jahren nur wenige hiesige Bands Grunge, Punk, Alternative und Stoner Rock miteinander verschmolzen. 24/7 Diva Heaven sind musikalisch also felsenfest in den 90er Jahren verankert, dass sie sich inhaltlich als auch phasenweise musikalisch an die Riot-Grrrl-Bewegung anlehnen, untermauert die Zeitlosigkeit ihres Sounds zusätzlich.

Dabei schafft das Trio das Kunststück, in der ersten Albumhälfte den Fokus auf seine Soundlandschaften zu legen, während in der zweiten Hälfte der Blick vor allem auf die Werte der Band fällt. Während sich der Opener Potface tief im Grunge suhlt, dreht das folgende Bitter Lollipop den Fuzz-Regler bis zum Anschlag auf und findet im Refrain Platz für Riot-Grrrl-Punk. Shamebath erinnert aufgrund der kratzigen Stimmfarbe von Sängerin und Gitarristin Katharina Ott-Alavi zuächst an Brody Dalle und The Distillers, bevor in der Bridge ein staubtrockenes Riff der Marke Kyuss übernimmt. In Everything Sucks findet dagegen die Spielfreude der Band ihren Höhepunkt, wenn der Song kurz vorm Ende abrupt stoppt und langsam wieder Fahrt aufnimmt. Das flotte Head On Collision klopft anschließend erneut bei Kyuss an.

Nach dem schleppenden Everyman hält die Band schließlich nichts mehr zurück. Das rasende Death To kann als Angriff auf alle toxischen Männer interpretiert werden und besitzt mit seinen Lyrics (,,One, two, three, get out of my way [...]/ Six, seven, a movement nationwide/ Ignite/ Fuck you“) das Potenzial zur Feminismus-Hymne. Topped With Cheese geht sogar als Hardcore-Punk durch und treibt den allgegenwärtigen Bezug der Band auf Essen auf die Spitze. White Swamp verdichtet von allen elf Songs der Platte am Meisten den dauerhaft spürbaren Einfluss von Bands wie War On Women, die ihren feministisch motivierten Kampf gegen Ungerechtigkeiten seit Jahren mit erhobener Faust auf dem Plattenteller austragen, und richtet seinen Blick gegen all die Rassisten und Nationalisten vor der Tür. Wer diese Kämpfe austrägt, darf auch gerne mal erschöpft sein. Die Band ist es im Outro und so scheint es mehr als passend, dass 24/7 Diva Heaven im Albumfinale im Hall verschwinden. Denn auf sie wird angesichts ihres fantastischen Debütalbums das Gegenteil zutreffen.

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Label: Noisolution
VÖ: 19.03.2021

Genre: Grunge, Stoner Rock, Punkrock

Vergleichbar:
L7 – Bricks Are Heavy
The Distillers – Coral Fang

Wertung:
12/15

 

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Jonathan Schütz

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