Raus aus dem Kokon: YONAKA im Feature Interview zum furchtlosen Mixtape “Seize The Power”

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Mit ihrem neuen Release Seize The Power wandeln die Brightoner YONAKA persönliche Ängste in Hoffnung, Motivation und kraftvolle musikalische Kinnharken um. Wir durften uns im Vorfeld mit der Band auf Zoom unterhalten und in Erfahrung bringen, wie die letzten zwei Jahre den Stil, das Mindset und das Songwriting der Gruppe beeinflusst haben.

Seit dem letzten Album ist viel passiert: Das Quartett aus Brighton hatte sich unter anderem pünktlich zum Veröffentlichungsdatum der ersten LP Don’t Wait Til Tomorrow 2019 einen Platz beim All Points East Festival gesichert – inklusive Oliver Sykes‘ (Bring Me The Horizon) persönlicher Zustimmung, der das Tages-Lineup selbst kuriert hatte. Umgeben von Größen und Durchstartern wie Architects, While She Sleeps oder auch Run The Jewels ist es leicht, den Überblick zu verlieren. Gleichend eines ‚Melting Pots‘ fanden hier verschiedenste Gruppen zusammen, um den Genrebegriff weiter in Frage zu stellen – und neben anderen Tagesheadlinern vor allem die kommenden Helden der Rockmusik vor ein größeres Publikum zu stellen.

Und genau auf diesen Bühnen ist es, wo sich YONAKA wohl fühlen. Zwei Jahre später hat das Quartett seinen ersten Auftritt nach 18 Monaten beim Download Pilot Festival neben den Headlinern Enter Shikari hinter sich gebracht. Im Proberaum sitzend erklärt Sängerin Theresa Jarvis neben ihren Bandkollegen den klaren Schnitt, der mit dem neuesten Release einherging und ihnen nun den Weg zu größeren Bühnen bahnt: „Wir wollten diesmal mehr wagen, dreister sein.“

Yonaka_Seize the Power_video

Der Plan geht auf: Seize The Power ist unvorhersehbar, expliziter und verbindet die Zugänglichkeit ihres Debüts mit extremeren Kontrasten und stärkeren Fausthieben. So findet man mit Clique eine schweißtreibende Nummer mit Rapeinlage von Jason Aalon Butler (FEVER 333, ex-letlive.), als auch eine rührende Ballade mit Barns Courtney vor (Anthem), was das Genrequerdenken der Gruppe gekonnt einfängt.

„Mit Clique standen wir einige Zeit still. Als wir dann aber den Song zu Jason geschickt haben und ihm unsere Liebe für seine Musik seit der Tour mit Bring Me The Horizon erklärten, war er direkt super enthusiastisch ihn mit uns zu Ende zu produzieren.“

Die Band wirft hier sowohl harte Beats als auch saftige Gitarrenriffs in den Mix, während Butler mit Jarvis gegen Respektlosigkeit und Stereotypen in den Boxring steigen. Der Mittelfinger wird auf vielen Songs furchtlos in die Höhe gereckt, aber stets in positiver Moral verpackt. Das Schreiben der acht Lieder brachte für die Gruppe eine definierende Veränderung des Mindsets mit sich. Sieht man Don’t Wait Til Tomorrow als Phase der Introspektion und Selbstreflexion, ist der Folgerelease der Soundtrack zur Eigenemanzipation und der Entwicklung hin zum Optimismus und positiv gestimmter „Fuck You“ Haltung.

YONAKA haben längst die Affinität zum Pop und grandiosen Hooks in sich, doch Seize The Power serviert zugleich noch Hymnen für Mental Health Awareness. Der Titelsong wälzt sich durch Depression, Selbstsorge, und „der anderen Seite des Tunnels“, die in verschiedenen Kontexten beschrieben wird. An anderer Stelle wirken Call Me A Saint und Raise Your Glass wie potenzielle Charthits und Statements der Furchtlosigkeit, mit welcher die Band Songwriting und ihre Karriere angeht.

„Wir sind Perfektionisten wenn wir aufnehmen, da wir etwas produzieren wollen, was uns motiviert, stilistisch weitere Dinge auszuprobieren. Ich denke, bei diesem Mixtape haben wir das definitiv getan,“ so Jarvis. Wo das Debüt eher mit geradlinigem Sound Lektionen erteilt, hört sich der aktuelle Release nach Liedern drei verschiedener Künstler an. Wenngleich das woanders schiefgeht, meistern YONAKA auf diesem Release die schmale Gradlinie zwischen Punk-Attitüde, Unvorhersehbarkeit und zugänglichem modernen Songwriting. Ähnlich zu Twenty One Pilots sind sowohl Einflüsse des Pop, Rock, Rap, Metal als auch elektronischer Musik im Soundbaukasten der Band zu finden. „Wir haben hier viel mit Layering verschiedener Melodien gearbeitet und reale mit synthetischen Klängen vermischt“, erklärt Drummer Robert Mason. „Wir versuchen immer, das meiste aus allen Instrumenten herauszuholen und größer zu klingen als zuvor.“

Nach zu viel Bombast klingt das Resultat jedoch glücklicherweise nicht: In knapp 26 Minuten präsentieren YONAKA ein mitreißendes Werk mit hohem Replay Faktor das zwar textlich zusammenhängt, aber musikalisch durchweg getrennte Wege geht. Für Jarvis war diese Veränderung als Ausbruch aus der Routine wegweisend und bitter nötig. „Ich hatte mich beim Songwriting thematisch gelangweilt. Das erste Album war textlich wesentlich trister, und obwohl man nun natürlich noch immer negative Erfahrungen macht war es für uns an der Zeit, unseren Fans eine positivere Botschaft zu geben, die sich direkt an sie richtet: Dass man an sich und andere glauben soll. Dass man sich einfach mal nicht zu viele Gedanken macht und seinen eigenen Weg gehen soll, entgegen aller Erwartungen.“

Zwischen der Single Ordinary und Anthem manifestiert sich dieser zugleich kühne und lebensbejahende Appell, der sich auf Seize The Power breit macht – denn nach vorherigen Support Tourneen und Festivals sprintet die Band nun bereits außergewöhnlich schnell, um das Zepter der Musikwelt bald an sich zu reißen.

VÖ: 15.07.2021 via Sony.
Shout Loud Bewertung: 13/15

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Alex Loeb

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