Livereview: Widdig Fight Night Vol. 2, Jugendclub Widdig, 13.01.2018

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Im Jugendclub Widdig in Niederkassel hat am Samstag, den 13.01.2018, die zweite Auflage der sogenannten „Fight Night“ stattgefunden. In einem kleinen Raum, der etwa 50 Leute fasste und einer Bühne, die circa 10 cm höher als der Boden war, haben fünf Bands aus dem Hardcore-Punk, Metalcore und Beatdown Metier in familiärer Atmosphäre eine gemütliche Show gespielt.

2018-01-13 21.22.08 Word on the StreetsDen Anfang machten Word On The Streets, eine Band die sich dem klassischen Old-School Hardcore-Punk der 80er Jahre widmet. Kurze Songs, harte Riffs und Shouts, die teilweise auch von Sprechgesang beeinflusst sind, erinnerten sowohl an Bands wie Cro-Mags als auch an Terror und Konsorten. Als Liebesbeweis an die Hardcore-Szene, spielten die Jungs “Empty Promises” von Hatebreed, der einzige englische Song, da die eigene Musik der Band in deutscher Sprache verfasst ist, und während einer Ansage hat sich der Sänger gewünscht, dass „Hardcore wieder werden soll wie 1972.“ Ein wenig Humor hat da sicherlich in seiner Stimme mitgeklungen, passte aber perfekt zu dem DIY-Stil der Band. Man hat klar gemerkt, dass es den Mitgliedern um den Spaß an der Musik geht und somit ging ein halbstündiges erinnernswertes Set viel zu schnell vorbei.

2018-01-13 21.49.51 Overcome Your IgnoranceAls Nächstes hatten Overcome Your Ignorance die Ehre und heizten dem Publikum mit fiesen Breakdowns ein. Es wurde amtlich gemosht, von Wand zu Wand gehechtet und das Tanzbein geschwungen, wie man es von Hardcore-Shows gewohnt ist. Dabei hat die Band vor allem wegen der bösen und dunklen Growls des Sängers deutlich härter geklungen als Word On The Streets. Insgesamt hat der Abend viel Abwechslung geboten.

2018-01-13 22.47.04 VainDie darauffolgende Band trägt den Namen Vain und hat den Jugendclub mit ihren tanzbaren, rhythmischen Finessen ganz schön aufgemischt. Zielstrebige Riffs und brutale Vocals, die ab und an durch ein motivierendes „Bewegt euch, was los aue?!“ seitens des Bassisten unterstützt wurden, ließen den ganzen Raum „Two-steppen“ und um sich schlagen.

Die Descendants fielen am meisten aus dem Rahmen. Deutlich von Metalcore inspiriert werden melodische Leads mit harten und rhythmischen Riffs und Breakdowns fusioniert. Das Intro des Songs “Standing Here“ beeindruckt mit ruhigen, jazzigen Chords bevor es gewohnt hart in den Vers übergeht. Die Stimmung beim Auftritt der Gruppe war absolut einzigartig. Den Eindruck bekommt man definitiv am Besten, wenn man sich die Fotos des Abends anschaut. Egal ob die Zeilen vor dem Breakdown von den Fans in Gang-Vocal-Manier gebrüllt wurden oder jemand plötzlich crowdsurfte. Alles passierte in einer Gruppendynamik, die man sonst selten sieht. Ein absolut denkwürdiges Set, das lange im Gedächtnis bleiben wird.

2018-01-13 23.35.19 DescedantsAls letztes hat sich die Mannheimer Band The Butcher Sisters, die auf Release-Tour für ihre EP “68 Undercover” waren, auf der Bühne des Jugendclub Widdig präsentiert. Es war nicht mehr so viel los wie noch bei den Descendants, die Stimmung war trotzdem gut. Deutlich mehr von Rap beeinflusst sind die Texte eher spaßeshalber asozial und es wurden Hardcore-Versionen von Künstlern wie Haftbefehl und K.I.Z. gespielt. Anders als die vorherigen Bands, die größtenteils politische oder zumindest persönliche Texte präsentiert haben, fiel es bei The Butcher Sisters mit Zeilen wie „Pack das Ding auf den Tisch und dann Schwanzvergleich, Schwanzvergleich“ eher flach aus. Wenn man es mit Humor nimmt, kann man der Musik sicherlich etwas abgewinnen, mir schien es aber eher wie ein Witz, der schnell alt wird.

2018-01-13 23.40.00 DescedantsNichtsdestotrotz hat die Band diesen vielfältigen Abend gut abgerundet und trotz klarer musikalischer und intentionaler Differenzen haben die Bands sehr gut miteinander harmoniert und vor allem interaktiv mit dem Publikum überzeugt. Ein Hardcore-Abend, wie er im Buche steht.

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Tim Klünker

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