Livereview: Von wegen Lisbeth + Support, FZW Dortmund, 18.10.2017

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“Komm beweis mir, wie viel du lachst. Und dann zeig mir dein Essen, was du machst. Deine Füße sind am Meer. Du bist in Love mit dein’ neuen Nike Air“. Wir sind in Love mit Von wegen Lisbeth.

Die Berliner Indie-Pop-Band hat es bereits zweimal in unsere Livereview-Rubrik geschafft. Im letzten Jahr als Vorgruppe von AnnenMayKantereit und dieses Frühjahr mit einer eigenen Club-Show und jedes Mal konnte sich das Quintett größerer Beliebtheit erfreuen. Höhepunkt dieser Entwicklung ist zweifelsfrei die aktuelle “Hallo Dispo“-Tour, auf der die Newcomer zum ersten Mal größere Venues selbst füllen können. So auch das FZW in Dortmund.

Rikas

Da Von wegen Lisbeth ihren Supportjob nun abgegeben haben, braucht es andere deutsche Indie-Bands, um Shows zu eröffnen. In diese Kategorie fallen Rikas. Die sehen zwar eher aus wie südländische Straßenmusiker – und klingen auch so – kommen aber aus Stuttgart. Da das Quartett so entspannte englischsprachige Musik auf die Bühne zauberte und dementsprechend dreinblickte, wäre die Überlegung, dass es sich bei den Kunstpflanzen auf der Bühne um Cannabis-Pflanzen handeln könnte, nicht ganz so falsch gewesen. Einen ähnlichen Beliebtheitsanstieg wie bei den Headlinern des Abends ist bei den sympathischen Schwaben jedoch nicht zu erwarten – dafür müssten sie in ihrer Muttersprache singen.

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Als gegen 21 Uhr die Bühne in grünes Licht getaucht wurde, hätte statt dem Indie-Quintett auch gut und gerne Gras-Prophet Marsimoto die Bühne betreten können und es hätte nur wenige gestört. Doch wie zu erwarten, enterte Frontmann Matze Rohde mit seinen Bandkollegen das Freizeitzentrum West. Nach einem langgezogenen Intro luden die Hauptstadt-Jungs mit “Meine Kneipe“ sofort zum Tanzen ein. Mit “Der Untergang des Abendlandes“ bekam das Konzert sogar kurz eine politische Note, auch wegen der Ansage von Sänger Rohde: “Bei der Bundestagswahl hat die scheiß AFD viel zu viele Stimmen bekommen“. In ihre Show haben die Senkrechtstarter bis auf “Unterm Schrank“ alle Songs ihres Debütalbums “Grande“ eingebaut. Darüber hinaus wurde das Publikum Zeuge der Erstaufführung eines neuen Songs, dessen Name die Band noch geheim hält. Aus ihrer 2014 erschienenen EP “Und plötzlich der Lachs“ ließen sie mit “Schwester“ ebenfalls nur einen Song aus.

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Mehr ging nicht nur songtechnisch nicht. Auch produktionstechnisch fuhren Von wegen Lisbeth große Geschütze auf. Neben zahlreichen Kunstpflanzen sorgten drei große LED-Buchstaben in Anlehnung an den Bandnamen für eine spektakuläre Lichtshow. Das Kollektiv spielte zudem seine Songs nicht nur herunter, sondern schmückte unter anderem “Lisa“ mit einem angehängten Instrumental-Part aus. Lob verdienten sich Von wegen Lisbeth auch moderationstechnisch. Ein Besucher richtete mit einem Pappschild “Grüße von seiner Mutter“ aus. Im gleichen Atemzug landeten Center Shocks neben Rohde auf der Bühne, was den Frontmann zu einem Witz verleitete. “Sind die von deiner Mutter? Die mag’ doch eher die Roten.“ Hat er nicht gesagt? Doch. Ihren tanzbarsten Song hob sich die Indie-Band sogar bis zum Schluss auf. “Sushi“ setzte den vermeintlichen Schlusspunkt eines in allen Belangen perfekten Konzerts.

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Da störte es auch keinen, dass Von wegen Lisbeth nach dem Zugabenblock für “14 Tage Testversion“ erneut auf die Bühne kamen, was als spontane Aktion rüberkommen sollte, jedoch stark konstruiert war. Ob die Berliner bis zu ihrer nächsten Lobpreisung im Magazin einen weiteren Schritt auf der Karriereleiter gegangen sind? Überraschend käme es nicht.

© Fotos von Lizvision

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Jonathan Schütz

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