Livereview: Turnstile + Support, Kesselhaus Wiesbaden, 14.06.2018

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Bereits bei ihrer ersten Show ihrer Europatour hinterlassen Turnstile einen zerlegten Club.

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Bevor das Quintett aus dem US-Bundesstaat jedoch für fliegende Stagediver und wildes Violent Dancing sorgt, haben sie sich drei befreundete Bands ins Boot geholt, um die kleine Bühne des ausverkauften Kesselhauses aufzuwärmen. Odd Man Out sind zum ersten Mal in Europa unterwegs und dementsprechend fällt auch die Performance des Quartetts aus. Mit unglaublich stumpfem Hardcore und einem Frontmann, dessen Schreie einem tollwütigen Pitbull gleichen, sorgt die Gruppe für ernüchternde Blicke. Die Musiker selbst verbringen den Auftritt vermehrt mit dem Rücken zum Publikum, trifft das Gegenteil mal ein, untermalen sie ihre Musik mit hektischem Gezappel, welches jedoch nicht als Bühnenpräsenz zu verstehen ist.

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Die folgenden Fury verstehen es dafür deutlich besser, mitreißenden Hardcore zu spielen. Dieser besitzt dankt ihres Frontmanns einen starken Post-Punk-Anstrich. In einer Chinohose gekleidet erinnert sein trockenes Meckern und sein extrovertiertes Bühnenverhalten oft an The Streets-Frontmann Mike Skinner. Dessen jüngeres Hardcore-Modell schlurft zudem auch mal durch das Publikum und wickelt dieses mit seinem Mikrokabel ein, bevor das Quintett nach ebenfalls 20 Minuten die Bühne verlässt. Vorher gibt es aber noch das überaus groovige “Thin Line“ vom 2016 erschienenen Debütalbum “Paramount“ auf die Ohren.

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Angel Du$t spielen Hardcore-Punk und setzen das Energielevel in der hessischen Landeshauptstadt erstmals auf ein höheres Level. Während ihrer 25-minütigen Performance regnet es minütlich Stage Diver von der Bühne und es kommt immer wieder zu Singalongs, in denen das Mikro durch das Publikum wandert. Nicht zu verwechseln ist das US-Quintett hingegen mit der Dortmunder Heavy-Metal-Band Angel Dust.

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Turnstile sind cooler als der Rest. Wie die 2010 gegründete Formation Hardcore der alten Schule mit den musikalischen Erzeugnissen aktueller Vorzeigebands in ihrem eigenen Cocktail zusammenwürfelt, ist nicht nur durchgehend auf einem hohen Niveau, sondern auch unfassbar abwechslungsreich. Wenig überraschend also, dass die Mittzwanziger ihr Produkt auch 1:1 so auf die Bühne bannen. Nach der Interlude “Bomb“ vom aktuellen Album “Time & Space“ feuert die Band sofort aus allen Rohren – die Riffs drücken, der Bass wummert und das Publikum kennt kein Halten mehr. Im gefühlten Sekundentakt fliegen die Stagediver durch den Club – mal mit erfolgreicher Landung auf den Armen der Mitmenschen oder mit einem harten Aufprall auf dem Boden des Kesselhauses. Die Band selbst beweist dabei eine starke Bühnenpräsenz. Frontmann Brendan Yates erklimmt mehrere Male einen Boxenturm und Bassist Franz Lyons stellt sein stimmliches Können insbesondere bei “Moon“ unter Beweis. Gegen Ende des 40-minütigen Abrisses fahren Turnstile das Tempo herunter und Yates hält eine kurze Rede, mit der er sich für die Unterstützung der Fans und den Support der Vorgruppen bedankt. Die Band nimmt das Tempo sofort wieder auf und schon fliegen die nächsten Menschen durch den kleinen Raum. This is fucking Hardcore.

© Fotos von Valentin Krach

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Jonathan Schütz