Livereview: Tiny Moving Parts + Support, Nachtleben Frankfurt, 30.09.2018

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Tiny Moving Parts sind in allen Belangen eine einzigartige Band. Das Mathrock-/Emo-/Pop-Punk-Trio veröffentlicht seit dem 2013 erschienenen dritten Album “This Couch Is Long & Full Of Friendship“ im Schnitt alle anderthalb Jahre ein neues Album, tourt aber zeitgleich auch noch wie verrückt um die Welt. Das hat die US-Formation aus Minnesota zu einer der besten Livebands ihrer verschiedenen Genres gemacht, wie sie auf ihrer bereits zweiten Europa-Tour in diesem Jahr eindrucksvoll unter Beweis stellt.

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Happy Accidents schaffen es dagegen nicht ganz, das sehr gut gefüllte Nachtleben für sich zu gewinnen. Das britische Trio hat in diesem Jahr sein zweites Album “Everything But The Here And Now“ veröffentlicht und wandelt in seiner Musik zwischen ruhigen Indie-Melodien und verspieltem College-Punk. Letzteres trifft auch auf das nerdige Aussehen der Londoner zu, die während ihres halbstündigen Auftritts nicht ganz dem Schatten der nachfolgenden Tiny Moving Parts entweichen können. Insgesamt wirkt der wechselnde Gesang von Gitarrist Rich und Schlagzeugerin Phoebe zudem etwas kraftlos.

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Ein Fakt, der ganz und gar nicht auf Tiny Moving Parts zutrifft. Die 2008 gegründete Familienband – Bassist Matthew Chevalier und Schlagzeuger Billy Chevalier sind Brüder, Gitarrist und Sänger Dylan Mattheisen ihr Cousin – betritt mit “Applause“, zugleich Opener des aktuellen Albums “Swell“, die Bühne und hievt das Energielevel sofort auf eine ganz andere Ebene. Der Sound drückt und dennoch sind die zahlreichen Kehlen, die die persönlichen Texte von Mattheisen inbrünstig mitschreien, klar und deutlich zu vernehmen, sodass dieser unzählige Male vom Mikro wegtritt und dem Publikum die Stimmgewalt überlässt. In ihrem kurzen und knackigen Auftritt spielen sich Tiny Moving Parts durch nahezu ihre komplette Diskographie, lediglich die ersten beiden Alben “Waves Rise, Waves Recede, The Ocean Is Full Of Waves“ und “Moving To Antarctica“ werden ausgelassen – verständlich, immerhin gibt es die damals selbst veröffentlichten Platten auch nicht auf den gängigen Streaming-Plattformen oder physisch zu erwerben. Vom dritten Album und der zugleich ersten Label-Veröffentlichung “This Couch Is Long & Full Of Friendship“ gibt es nur den ruhigen Opener “Dakota“ auf die Ohren, vom vierten Album “Pleasant Living“ immerhin zwei Songs.

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Während “Sundress“ nach “Happy Birthday“ den dritten Song des Sets gibt, schließt “Always Focused“ an elfter Stelle das reguläre Set ab. “Celebrate“ macht mit vier Songs immerhin ein Drittel des Konzerts aus, mit fünf Songs steht dagegen das Ende Januar veröffentlichte “Swell“ im Mittelpunkt. Insbesondere bei den neueren Hits wirkt Mattheisen wie ein junger Mathematik-Professor, der seine frickeligen Riff-Formeln wie in einer Vorlesung auf sein Publikum abfeuert und dabei aufgedreht wie ein Flummi durch die Gegend hüpft, während seine Jünger im Pit vor der Bühne enthusiastisch darum streiten, wer die gestellte Aufgabe lösen darf. An diesem wohligen Sonntagabend sind es alle, die im kleinen Nachtleben um die Wette schwitzen und die Show in der Mainmetropole zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lassen. Das merkt man der Band an, die nach einem fantastischen Auftritt noch fleißig Autogramme schreibt und sich für kein einziges Foto mit einem Fan zu schade ist. Dass das Konzert nach der Zugabe “Caution“ bereits nach weniger als einer Stunde vorbei ist: Geschenkt.

© Fotos von Valentin Krach

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Jonathan Schütz

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