Livereview: Thrice + Brutus, Schlachthof Wiesbaden, 20.06.2018

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Thrice stellen endlich ihr 2016 erschienenes Comeback-Album “To Be Everywhere Is To Be Nowhere“ bei mehreren Konzerten vor – brandneues Material gibt es ebenfalls dazu.

Brutus

Seit dem Ende der mehrjährigen Bandpause Ende 2015 und der Veröffentlichung des neunten Albums im Mai 2016 spielte das Post-Hardcore-Kollektiv lediglich 2016 eine Clubshow in Köln, die für das vergangene Jahr geplanten Auftritte bei den Zwillingsfestivals Rock am Ring und Rock im Park mussten aufgrund von Terminengpässen abgesagt werden. Bevor das Quartett jedoch eine mitreißende Show darbot, zeigten Brutus, dass sie zu den spannendsten Newcomern der mitteleuropäischen Rockmusik gehören. Mit “Burst“ haben die Belgier im Februar 2017 ein tolles Debütalbum veröffentlicht, das gekonnt auf einem schmalen Grat zwischen beinhartem Post-Hardcore, treibendem Post-Rock und kompliziertem Mathrock wandert. Das Trio fährt über 40 Minuten eine massive Soundwand auf, deren Fahnenstange zu jedem Zeitpunkt in den Händen von Schlagzeugerin Stefanie Mannaerts liegt. Weite Passagen der Musik gestalten sich instrumental, ihre vereinzelten textlichen Einsätze meistert die noch junge Musikerin jedoch phänomenal. Die Begeisterung des Publikums quittiert sie stets mit einem schüchternen ,,Thank you so much“ und lässt stattdessen ihre Musik und die der zwei männlichen Kollegen an Gitarre und Bass für sich sprechen. Und die wirkt gewaltig.

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Thrice feiern in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bandjubiläum. Die Kalifornier zählen zu den wenigen Bands, die es mit so gut wie jedem Album geschafft haben, zu begeistern. Sei es das 2003 erschienene dritte Album “The Artist In The Ambulance“, das noch heute als Referenzwerk für beinharten Post-Hardcore steht oder dessen 2005 veröffentlichter Nachfolger “Vheissu“, der die Band erstmals auch in ruhigerem Gewand erklingen ließ. Aus beiden Alben präsentieren Thrice auf ihrer laufenden Tour jeweils drei Songs, ebenso vom 2009er Werk “Beggars“. Klar im Mittelpunkt steht jedoch “To Be Everywhere Is To Be Nowhere“, das mit sechs Songs ein gutes Drittel der Show ausmacht. Diese beginnt atmosphärisch und verhalten mit “Hurricane“, der auch das noch aktuelle Album eröffnet. Zum folgenden “Silhouette“ wird der erste Pit eröffnet, der bereits zum an fünfter Stelle folgenden Übersong “Black Honey“ kein Halten mehr kennt.

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Trotz 20-jähriger musikalischer Karriere wirkt die 90-minütige Performance der Band frisch und jedes einzelne Mitglied powert sich aus, sodass der Schweiß schon früh auf den Bühnenboden tropft. Dem gleicht sich das Publikum an. “Stare At The Sun“ setzt das Energielevel auf eine neue Ebene und Frontmann Dustin Kensrue wird trotz starkem Sound und lautem, deutlichem Gesang von den Fans übertönt, sodass er irgendwann vom Mikrofon wegtritt und den Zuschauern das Wort überlässt. Mit “The Grey“ geben Thrice auch den ersten Vorgeschmack auf ihr kommendes, zehntes Album, das noch dieses Jahr erscheinen soll, wie Kensrue verrät. Als wäre der normale Konzertteil nicht aufregend genug gewesen, hebt sich das Quartett gleich drei Highlights für die Zugaben auf: “The Artist In The Ambulance“, “Deadbolt“ vom zweiten Album “The Illusion Of Safety“ sowie das zunächst schleppende und später zerstörerische “The Earth Will Shake“, das ein famoses Konzert beendet. Bis zur nächsten Tour können sich Thrice gerne etwas weniger Zeit lassen als zuletzt.

© Fotos von Joshua Lehmann

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Jonathan Schütz

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