Livereview: You Me at Six + Support, Wiesbaden Schlachthof, 12.03.2017

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In Großbritannien zählen sie seit Jahren zu den erfolgreichsten Rockbands des Landes. Mit ihren letzten vier Studioalben erreichte das Quintett in ihrer Heimat immer mindestens Platz fünf der Albumcharts. In Deutschland hingegen richten sich You Me at Six ihr Fanlager gerade erst ein.

Vorband (1 von 1)

Mit The Xcerts haben sich You Me at Six eine ebenfalls britische Band als Support an Bord geholt. Das Trio bezeichnet seine Musik als ,,Distorted Pop’’. In gut 35 Minuten verbreiteten die Schotten viel Freude. Sowohl vor als auch auf der Bühne. Immer wieder fragte Frontmann und Gitarrist Murray MacLeod, ob es allen gut gehe. Mit einem Dauergrinsen im Gesicht genossen The Xcerts sichtlich ihren ersten Auftritt in 2017. Die Band wird in diesem Jahr noch ihr viertes Studioalbum veröffentlichen und präsentierte dem Publikum mit ,,Feels Like Falling In Love’’ bereits einen ersten Song aus diesem. Besonders positiv blieb die hervorragende Lichtshow in Erinnerung. Simpel, aber genial wurden MacLeod & Co. mit wechselnden Farben beleuchtet und verpassten damit ihrer Musik den perfekten Anstrich. Emotional wurde es, als die Band ihren letzten Song ,,There Is Only You’’ dem verstorbenen Architects-Gitarristen Tom Searle widmete.

You me at Six (2 von 3)

Weniger emotional begannen You Me at Six ihren Auftritt. Mit ,,Night People’’, dem Titelsong ihres neuen Albums, enterten die Briten die Bühne. Auf den groovigsten und rockigsten Song der Platte folgten mit ,,Underdog’’, ,,Loverboy’’ und ,,Stay With Me’’ zunächst alte Hits, die für erste Moshpits im Publikum sorgten. Mit ,,Spell It Out’’ beendete eine der vielen Balladen des fünften Studioalbums das erste Drittel der Show. Vorläufiger Höhepunkt der Show wurde ,,Bite my Tongue’’. Obwohl live natürlich der Gastauftritt von Bring Me The Horizon-Frontmann Oli Sykes fehlte, entfaltete der Song live seine volle Härte. Der Dank gilt an dieser Stelle dem Publikum, das sich insgesamt absolut textsicher zeigte. Nun mischten You Me At Six mit ,,Swear’’ und ,,Fresh Start Fever’’ sowie ,,Heavy Soul’’ und ,,Reckless’’ alte mit neuen Songs, was zunächst sehr gut aufging. Doch nach diesem Song-Quartett offenbarte die Band die Schwächen, die schon ,,Night People’’ befallen hatten.

You me at Six (3 von 3)

Anstatt die rockige Schiene weiter zu fahren, steigen You Me at Six auf Langweiler-Radio-Pop um. Ein großer Lichtblick während den Gute-Nacht-Songs ,,No One Does It Better’’, ,,Cold Night’’, ,,Brand New’’ und ,,Take on the World’’ ist die Ansprache von Sänger Josh Franceschi. Franceschi ruft das Publikum dazu auf, sich beizustehen, Rassismus, Intoleranz, Homophobie und sonstige widerwärtige Formen der heutigen Gesellschaft abzulegen. Für seine Worte erntet er tosenden Applaus. Doch auch dem Schlachthof Wiesbaden gehört ein Teil von diesem Applaus. Der You Me at Six-Sänger ist einer von unzähligen Künstlern, der die Venue dafür feiert, dass das WLAN-Passwort ,,Refugees Welcome’’ ist. Nachdem die Band und das Publikum aus ihrem Schläfchen erwacht sind, wird es doch noch einmal rockig. Im Zugabenblock, bestehend aus ,,Lived a Lie’’, ,,Give’’ und ,,Room to Breathe’’ gibt der halbvolle Schlachthof noch einmal alles.

You me at Six (1 von 3)

Am Ende von 80 Minuten You Me at Six bleibt zu sagen, dass die Band leider etwas an Potenzial verschenkt hat. Mit ein paar mehr Songs wie ,,Little Death’’, ,,Jaws on the Floor’’ oder ,,Too Young to Feel This Old’’ hätte das britische Quintett aus einem guten ein sehr gutes Konzert machen können. Wen das nicht stört, der sollte auf jeden Fall die aktuelle Tour der Rocker besuchen, alleine schon, um die Einstellung der Band zu unterstützen. Ansonsten beim nächsten Mal noch etwas rockiger, ja?

© Fotos von Valentin Krach

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Jonathan Schütz

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