Livereview: Royal Republic + Support, Wiesbaden Schlachthof, 21.11.2016

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Als fleißiger Festivalbesucher dürfte einem in den letzten Jahren vor allem eine Band im Kopf hängen geblieben sein: Royal Republic! Die schwedische Rock’n’Roll-Gruppe ist nach einem ausgiebigen Festivalsommer aktuell auf ’’The Weekend Man’’-Tour. Können die Skandinavier auch auf ihrer eigenen Headliner-Show überzeugen?

Dinosaur Pile Up

Mit Dinosaur Pile Up und Tim Vantol haben sich Royal Republic zwei Support Acts ins Boot geholt, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Mit Dinosaur Pile Up traf moderner Post-Hardcore auf 90er-Punk und 80er-Rock. Das Trio aus Leeds entwickelte sich im Laufe seiner Performance zu einem guten ersten Gang. Gesanglich wurde Sänger und Gitarrist Matt Bigland von Bassist Jim Cratchley an einigen Stellen unterstützt. Ansonsten gab der Kurt Cobain Verschnitt Texte wie ,,white T-shirt and jeans, white T-shirt and jeans, always forever’’ zum Besten. Bestechen konnten die Briten vor allem durch einen sehr rohen Sound, was sich vor allem am passionierten Schlagzeugspiel von Drummer Mike Sheils festmachen ließ. Am Ende ihrer halbstündigen Performance hatten Dinosaur Pile Up das Publikum zum ausgiebigen Klatschen und Headbangen motiviert. Das Trio aus Leeds ist ein Geheimtipp für alle Freunde härterer Rockmusik!

Tim Vantol

Tim Vantol ließ es dagegen eine, wenn nicht sogar zwei Nummern ruhiger angehen. Der niederländische Singer-Songwriter betrat vollkommen alleine die Bühne und zog sein 35-minütiges Programm ohne großen Schnickschnack durch. Während sich beim ersten Song wohlwollende Wärme im schon recht gut gefüllten Schlachthof ausbreitete, zeigte sich anschließend die großartige persönliche Seite von Tim Vantol. In einer überaus humorvollen Ansprache voller Selbstironie an das Publikum rechtfertigte er seine Aufstellung zwischen einer Post-Hardcore/Alternative-Rock Band und einer Rock’n’Roll/Garage Rock Gruppe, indem er das Konzert mit einem Drei-Gänge-Menü verglich. Nach dem gut füllenden Opener und vor dem Hauptmenü würde man noch etwas essen wollen. Jedoch nur eine Kleinigkeit, ,,eher eine Suppe oder einen Salat’’. Tim, ,,die Suppe’’ Vantol hatte das Publikum zu jeder Zeit auf seiner Seite. So sang er seine englischsprachigen Songs zeitweise auf Deutsch, konnte ohne Mikro die Halle erfüllen und ließ sich auch von einer gerissenen Seite nicht aus der Ruhe bringen. Höhepunkt seiner Performance: Das Publikum verinnerlichte seine Texte sekundenschnell und trug einen ganzen Refrain alleine vor. Tim, das war großartig und wir freuen uns, bald mehr von dir zu hören!

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Die äußerst leckeren Vorspeisen waren verdaut, Zeit für Royal Republic und einen königlichen Auftritt! Um Punkt 21:45 Uhr erlosch die Hallenbeleuchtung und das Quartett betrat unter großem Fanfarentamtam die Bühne. Mit ’’When I See You Dance with Another’’ eröffnete die Band ihr Set und das Publikum zeigte sich ab der ersten Minute feierwütig und eröffnete direkt die ersten Moshpits. Der Song stammt aus dem neuesten Album ’’Weekend Man’’, welches etwa die Hälfte der Show einnehmen sollte. Die andere Hälfte beinhaltete Songs aus den beiden Vorgängeralben ’’Save The Nation’’ und ’’We Are The Royal’’. Bereits früh zeigten die sympathischen Schweden dabei, was für große Entertainer sie sind. Schon im Eröffnungstrio stellte Sänger Adam Grahn eine Nähe zum Publikum her, als er die Bridge in ’’Make Love Not War’’ einer bestimmten Frau in der Menge widmete. Vor dem Song ’’Weekend-Man’’ begab sich Adam dann in einen Dialog mit dem sogenannten Weekend-Man, der aus den Lautsprechern zu ihm und den anderen Königlichen sowie der Konzert-Meute sprach. Royal Republic wissen definitiv, wie man Show macht!

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2014 hat die Band mit ’’Royal Republic And The Nosebreakers’’ eine EP veröffentlicht, auf der Songs der ersten beiden Alben als akustische Country-Versionen zu finden sind. In diesem Stil performte das Quartett an diesem Abend ’’Addictive’’, wofür Drummer Per Andreasson seinen Platz verließ und den Rest der Band gesanglich unterstützte. ’’Everybody Wants To Be An Astronaut’’ hingegen wurde zum absoluten Singalong-Hit, wohingegen der letzte Song ’’Tommy-Gun’’ den langsamsten und niedrigsten Circlepit Wiesbadens (nach Aufforderung von Sänger Adam Grahn) kreieren konnte, ehe das Publikum erneut durchdrehte und alle im Handumdrehen aufsprangen. Royal Republic ließen es sich aber nicht nehmen, für ganze 4 Zugaben noch einmal auf die Bühne zurückzukehren. Nach ’’Here I Come’’ und ’’Follow the Sun’’ verwandelte sich der Schlachthof für kurze Zeit in ein Trash Metal Haus, denn zu Ehren Metallica’s stimmten Royal Republic die erste Strophe von ’’Battery’’ an. Mit einer großartigen Live-Version von ’’Full Steam Spacemachine’’, die man wirklich einmal live erlebt haben sollte, verabschiedeten sich Royal Republic nach 95 unterhaltsamen Minuten in die Katakomben.

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Dieses Drei-Gänge-Menü hat geschmeckt! Royal Republic ist keine sozialkritische Band und keine Gruppierung, die ihre Stimme einsetzt, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Die Schweden sind eine absolute Party-Band und erzeugen, egal wo sie hinkommen, gute Laune und grandiose Stimmung. Von vorne bis hinten lieferte das Quartett eine qualitativ hochwertige und durch und durch unterhaltsame Show ab. Teils erinnerungswürdige Ansagen von Frontmann Adam Grahn rundeten das Ganze ab. Royal Republic spielen diese Woche noch einige Deutschlandkonzerte, im Februar und März bislang vier Zusatzkonzerte. Fans der Band und die, die es werden wollen, sollten diese Chancen nutzen, und ein Konzert der Band besuchen!

© Fotos von Valentin Krach

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Jonathan Schütz

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