Livereview: Royal Blood + Support, Schlachthof Wiesbaden, 23.07.2019

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Bereits ein Jahr ist es her, seitdem sie eine Show gespielt haben. Die Rede ist natürlich von Royal Blood, die vergangenen Dienstag ein fulminantes Comeback im Wiesbadener Schlachthof gefeiert haben.

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Mit ganz viel Fuzz und wirren Melodien machen Demob Happy am Abend den Anfang. Auf dem Programm stehen hier Spielfreude, abrupte Liedabschlüsse und viel Reverb. Innerhalb der halben Stunde demonstriert das Trio aus Newcastle, was auf Holy Doom schon angedeutet wurde: die Lieder sind durchtränkt von Garage-Punk und bringen eine lässige Attitüde mit sich, die sich durch das gesamte Set zieht. Insbesondere Schlagzeuger Thomas Armstrong scheint es sich in seinen Grooves richtig muckelig zu machen, welche er mit breitem Grinsen präsentiert. Der Zauber der Band ist unter anderem auch, dass sie ohne Metronom spielt und somit laid-back durch den Auftritt gleitet. Ein kleines Manko ist der äußerst schlecht zu differenzierende Gitarrensound, der im Studio wesentlicher Bestandteil des Klangbilds ist. Dieses kleine Minus machen Demob Happy aber wett mit eingängigem Gesang und ansprechendem Melodieverständnis.

Royal Blood-6748Man könnte meinen, der Abend stünde unter dem Banner des Minimalismus. Vom Trio zum Duo – oder so ähnlich. Sänger Mike Kerr und Schlagzeuger Ben Thatcher bringen nämlich für einen Teil ihres Sets zwei Backgroundsängerinnen mit, die neben dem Gesang auch noch Samples und Tamburin beisteuern. Hook, Line & Sinker eröffnet das hitlastige Set, und das äußerst springlustige Publikum dankt dem Duo von Sekunde eins an mit lautem Gegröhle und spaßigem Pogo. Die Wucht Kerrs Kombination aus Bass und Gitarre in einem fasziniert dabei die Zuschauer und klingt einfach einzigartig. Vermehrt fällt auf, dass die Band ihre Lieder so stolz herunterspielt, als wäre sie nie von der Bildfläche verschwunden gewesen. Little Monster beispielsweise lässt – ganz im Sinne der Band – das Publikum nicht nur den Text, sondern auch die Gitarrenmelodie eins zu eins mitsingen. Doch neben der Stärke der einzelnen Songs ist es auch die Liveshow, die Royal Blood in ihrem Feld unbesiegbar macht. Spart Kerr an Ansagen, weiß er, mit fordernden Gesten und viel Bewegung, das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Das überraschende, energiegeladene Schlagzeugsolo bei Little Monster dürfte wohl auch Zyniker vom Talent dieser Gruppe überzeugt haben.

Royal Blood-5670Es sind aber nicht nur alte Kamellen, die man zu Ohren bekommt. Ganze zwei neue Songs (Boilermaker und King) erblicken an diesem Abend zum ersten Mal das Tageslicht. Ersterer balanciert sich zwischen dem altbekannten Groove des ersten Albums und den R’n'B Aspekten von How Did We Get So Dark?. Die Backgroundsängerinnen steuern hier mit Sample Pads elektronische Klänge bei, während Kerr mit einem – wie zu erwarten – wuchtigen Riff glänzt. King verhält sich dazu eher langsam und bombastisch, was die Frage nach der Richtung für das nächste Album weiter in den Vordergrund treibt. Zu den Ausnahmestücken des Abends gehört in jedem Fall Hole in Your Heart, bei dem Kerr binnen Sekunden zwischen Synthesizer und seinem Bass wechselt um starke Dynamikwechsel zu kreieren. Überraschenderweise findet sich Out Of The Black als letzter Song des Hauptteils in der Setliste wieder, wodurch einige die Stirn runzeln aufgrund der Frage, was jetzt noch kommen könnte. Es dauert nur wenige Minuten, bis das Duo das treibende Where Are You Now? zum besten gibt, nur um anschließend mit Figure It Out und seinem hastigen Endteil das Sahnehäubchen zu dem quasi perfekten Set hinzuzufügen.

Auch wenn wir nicht wissen, wo die musikalische Reise Royal Bloods hingehen wird, ist eines klar: Ihre Livequalitäten haben die beiden Herren im letzten Jahr nicht verloren, im Gegenteil. Royal Blood sind zurück.

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Alex Loeb

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