Livereview: Progression Tour, Wiesbaden, 26.04.2016

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Wer nach den ersten beiden Ausgaben des Impericon Festivals am letzten Wochenende noch nicht genug hatte von der deutschen und internationalen Djent-, Hardcore- und Metalcore-Szene oder der letzten Ausgabe des diesjährigen Tagesfestivals in München Anfang Mai entgegenfiebert, konnte sich diese Woche zu einem Konzertabend der ebenfalls von Online-Merch-Händler Impericon präsentierten Progression Tour begeben. Ob das Line-Up, bestehend aus Vitja, Any Given Day, Blessthefall und Bury Tomorrow, auch ohne die zig anderen Bands des Impericon Festival Line-Ups überzeugen konnte, erfahrt ihr in unserem Livereview.

Wer sich am Dienstagabend nach Wiesbaden zur zweiten Ausgabe der diesjährigen Progression Tour begeben hatte, erfuhr ungefähr eine Woche vor dem Konzert, dass das Event vom Schlachthof in Wiesbaden ins deutlich kleinere Kesselhaus nebenan verlegt wurde. Somit wurde eine fast leere Halle vermieden und stattdessen konnte man mit dem ,,Ausverkauft!’’-Logo werben.

VITJA

Den Abend eröffnete die deutsche Djent-/Metalcore-Band Vitja aus dem Münsteraner Umland pünktlich um 19 Uhr. Die vier Jungs haben bei der Tour die undankbare Aufgabe, als allererster Act zu spielen und somit ein kaltes und nicht aufgewärmtes Publikum vorzufinden. Das merkte man bei dem 30-minütigen Set der Band auch. Sänger Dave Beule forderte über die gesamte Zeit Bewegung vom Publikum und Stage Diver, doch er wurde erst nach 20 Minuten erhört, als die Band ’’Your Kingdom’’ von der letztjährigen gleichnamigen EP performte. Kaum erklangen die ersten Töne des Songs bildete sich ein erster Pit und der Mosh-Abend war eröffnet. Referenzen zu Bring Me The Horizon ließen sich erkennen, als Dave, die schönste Beule des Planeten, mit ,,Push It Back’’ Oliver Sykes zitierte und die erste Wall of Death des Abends anstimmte. Nach der neuen Single ’’The New Breed’’ übergaben Vitja das Zepter an Any Given Day.

Any Given Day

Die Gelsenkirchener Band ist ebenfalls dem Metalcore- und Djent-Genre zuzuordnen. Bei ihrem ebenfalls 30-minütigen Set wirkte alles etwas professioneller und besser ausgearbeitet als bei der vorherigen Band. Auch das Publikum wirkte deutlich motivierter und der kleine Club füllte sich so langsam. Ab dem ersten Song, ’’The Beginning of the End’’ vom 2014 erschienenen ersten Studioalbum ’’My Longest Way Home’’, wurde im Publikum gemosht und Pogo getanzt. Beim folgenden ’’Never Say Die’’ zeigten sich auch einige Zuschauer textsicher und gröhlten lautstark mit. Anschließend bewarb Sänger Dennis Diehl das Ende August erscheinende zweite Studioalbum der Band mit dem klangvollen Namen ’’Everlasting’’. Die PR-Trommel wurde weiter gerührt, als die Band daraufhin mit ’’Endurance’’ die erste Single des Albums spielte. Bei einem weiteren Song aus dem neuen Album konnte man ebenfalls feststellen, dass das neue Material mehr Clean-Gesang vorzuweisen hat, ohne jedoch die alte Härte zu vernachlässigen, denn Growls und Screams sind ebenfalls noch massig vorzufinden. Nach dem üblichen ’’Diamonds’’-Cover und einer Wall of Death verließen die fünf Jungs aus dem Ruhrpott mit erhobenen Pommesgabeln die Bühne.

Blessthefall

Nach einer weiteren Umbaupause war es soweit. Der Abriss des Abends machte sich in den Katakomben bereit, die Bühne zu stürmen. Die rund 300 Zuschauer waren wohl nicht ganz gefasst darauf, welche Energie bald auf sie herabprasseln sollte. Um 20:45 Uhr war es soweit. Blessthefall enterten die Bühne und es sollten 35 atemlose Minuten folgen. Die US-amerikanische Post-Hardcore Band gab brutale Breakdowns, gepaart mit starken Screams von Lead-Sänger Beau Bokan als auch Bassist Jared Warth und Lead-Gitarrist Eric Lambert zu ihrem besten. Die Bühnenperformance war ebenfalls eine deutlich andere Nummer als bei den vorherigen Bands. Die Bandmitglieder von Blessthefall kletterten auf neben der Bühne stehende Soundboxen und Beau Bokan entdeckte seine neue Leidenschaft als Wasserspeier. Unzählige Male füllte er seinen Mund mit Wasser, ehe er dieses in hohem Bogen ins Publikum spie. Sehr zum Leidwesen der Fotografen. Nach gefühlten 20 Circlepits verließen die fünf Jungs die Bühne und ließen ein mehr als aufgewärmtes Publikum zurück.

Bury Tomorrow-1

Um 21:45 Uhr betraten schließlich Bury Tomorrow, Headliner des Abends, die Bühne. Mit den Worten ,,this microphone is your microphone, this stage is your stage’’ begrüßte Frontmann Daniel Winter-Bates das Publikum. Das Publikum nahm seine Worte dankend an und ab dem zweiten Song, ’’Lionheart’’ vom 2012 erschienenen Album ’’The Union of Crowns’’, das das zweite Studioalbum der Band darstellt, stürmte alle paar Augenblicke ein Fan auf die Bühne, umarmte Winter-Bates, brüllte eine Textzeile ins Mikro und sprang von der Bühne in die Menschenmasse und genoss es, auf den Armen seiner Kumpanen zu surfen.

Die fünfköpfige Metalcore-Formation aus Southampton in England spielten nicht nur ihr Programm herunter, sie hatten auch eine Botschaft an das Publikum. ,,There is something we hate about music business. Not One Direction. VIP Meet & Greets!’’ Bands wären ohne ihre Fans, die ihre Musik feiern, auf die Konzerte gehen und die Alben kaufen, nichts. Bury Tomorrow wissen das und luden alle Fans zum anschließendem Meet & Greet am Merch-Stand ein, ohne dass man sich für Hunderte von Euro einen VIP Meet & Greet Pass kaufen musste.

Nach ’’Earthbound’’ verließen die Engländer nach 45 Minuten die Bühne. Jedoch hatten sie noch zwei Zugaben im Gepäck, ehe ein gelungener und langer Konzertabend um 22:40 Uhr beendet war.

Bury Tomorrow-2

Die Progression Tour im Jahre 2016 kann man als gelungene einwöchige Tour bezeichnen. Vier Bands, die miteinander sehr gut auskommen, was man hinter den Katakomben spüren konnte, zeigten allesamt eine gute Performance auf der Bühne. Durch die Verlegung ins Kesselhaus stellte das Konzert in Wiesbaden einen weiteren Club-Abend der Tour dar. Die wohnzimmerfreundliche Atmosphäre vom Kesselhaus wurde nach kurzer Anlaufzeit hervorragend von den Fans auf die Bühne übertragen und andersherum. Ein am Ende komplett gefülltes Kesselhaus wurde von Band zu Band wärmer, aggressiver und stimmungsvoller. Auch der Sound war eine Wucht und so hatte man teilweise das Gefühl, der Club würde in wenigen Augenblicken dem Erdboden gleich gemacht werden. Man darf auf weitere Ausgaben der Progression Tour in den nächsten Jahren gespannt sein!

© Fotos von Joshua Lehmann

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Jonathan Schütz