Livereview: The Prodigy + Support, Festhalle Frankfurt, 04.12.2018

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Im Zuge der Veröffentlichung des neuen Albums No Tourists Anfang November wurden The Prodigy mehrfach kritisiert, ihren erfolgreichen Sound immer und immer wieder zu recyceln. Im Vergleich zum Vorgängeralbum The Day Is My Enemy haben sich die britischen Big-Beat-Rave-Pioniere jedoch auf ihre Stärken fokussiert und das Energielevel wieder deutlich nach oben geschraubt. Einen vergleichbaren Ansatz hat das Trio auch für seine aktuelle Tour zum Album gewählt.

Lobenswert ist auch die Auswahl des Supports, so richtig scheint sich allerdings kaum einer der tausenden Konzertbesucher für Slaves zu interessieren, als das Duo gegen 20 Uhr auf die Bühne schleicht. Sofort fokussiert sich das Geschehen auf Schlagzeuger und Sänger Isaac Holman, der seinen langen Wintermantel abwirft und seinen muskulösen Oberkörper präsentiert. Auf sein höchst minimalistisches Drumset ohne Bass-Drum prügelt Holman durchgehend stehend ein, während Gitarrist und Bassist Laurie Vincent fleißig seine Runden auf der Bühne dreht. Vor dem kurzen Noisepunk-Kracher Fuck The Hi-Hat begeben sich die Briten ins Publikum, um dort etwas Dampf abzulassen, den Song präsentieren sie allerdings im Anschluss wieder auf der Bühne. Große Hallen sind Slaves auch schon gewohnt: Ende November haben sie im nahezu ausverkauften Alexandra Palace in London vor knapp 10.000 Menschen ihren Noisepunk losgelassen. Nach 40 unterhaltungsvollen Minuten gibt es zum Abschied immerhin einen tosenden Applaus vom bunt durchgewürfelten Publikum.

Das wird mit der Zeit immer hibbeliger und als The Prodigy mit 15 Minuten Verspätung gegen 21:30 Uhr und Breathe eröffnen, verwandelt sich der Innenraum der Festhalle in einen einzigen, gigantischen Moshpit. In den folgenden 75 Minuten wird sich daran auch nichts ändern, ruhige Songs werden von den Briten konsequent ausgelassen. Das Bühnenbild orientiert sich mit zwei abgeschnittenen Doppeldeckern am Cover des neuen Albums, konsequenterweise steht No Tourists mit sieben von 19 Songs auch ganz klar im Mittelpunkt der Show. Den Titeltrack spielen The Prodigy in der Mainmetropole zum ersten Mal vor einem Konzertpublikum und spätestens nach Light Up The Sky haben sich die neuen Songs als bombastisches Live-Feuerwerk bewiesen. Lichttechnisch gehört die Show zudem zum Besten, was man derzeit geboten bekommen kann. Mit mehreren Traversen, die in beliebiger Form beweglich sind, und einer durchdachten Farbmischung kitzeln The Prodigy noch die letzte vorhandene Energie aus den müden Körpern der Konzertbesucher heraus. Während Firestarter eher für ein müdes Lächeln sorgt, gleicht die Festhalle zu Smack My Bitch Up einem Tollhaus. Schade, dass The Prodigy ihre größten Hits schon während des regulären Konzertteils verbraten und sie Invaders Must Die gar auslassen. So kommt das Ende nach Timebomb Zone etwas ruppig, Energie wäre aber sowieso keine mehr vorhanden. Legendenstatus untermauert.

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Jonathan Schütz

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